Dienstag, 9. Dezember 2014

Lieber Herr Börrooghs - von Sven Kemmler

Ein fiktiver Fanbrief an William S. Burroughs, in welcher es ein paar Fragen zur Interzone gibt.

Entstanden im Kontext der schon jetzt legendären Veranstaltungsserie "Alternativer Advent" im Jahre 2014.


Lieber Herr Börrooghs,

ich wende mich an sie mit einer dringenden Bitte.
Seit Jahren schon bin ich ein großer Verehrer Ihres Schaffens.
Besonders verehre ich ihr Werk "The Naked Lunch", das ja nicht nur für mich ein Klassiker ist. Ich habe schon oft und gerne zuhause meinen Freunden und am Stammtisch daraus zitiert und auch schon vorgelesen. Da können sie sich vorstellen, da ging es hoch her und es hat auch für Stimmung gesorgt.
Und dann hat der Karl, das ist ein Stammtischbruder, letztes Jahr vorgeschlagen, dass wir ja mal unseren Jahresausflug in die Interzone machen könnten. Wussten sie eigentlich, dass es bei uns mal Intershops in der Ostzone gegeben hat? Aber so sind ja die Zufälle, sie fallen gern mal hin, wo sie wollen.

Aber zurück zu meiner Anfrage: Wir wissen natürlich, dass man nicht so einfach zur Interzone fahren kann, weil das ist ja mehr ein Zustand, da sind wir ja auch nicht auf der Brennsuppe dahergeschwommen. Aber da tun wir uns zugegebenermaßen schwer, diesen Zustand zu erreichen.

Was uns gereizt hat, das waren ja zum einen diese Sache mit dem Erotischen, das wo da immer wieder so durchscheint, quasi. Aber zum anderen dann auch die Insektengeschichte, dieser Mugwamp, also solche Viecherl auch mal sehen, das wäre doch was, haben wir uns gesagt.

Und da haben wir jetzt schon mehrfach versucht, diesen Zustand zu erreichen. Wir vertragen ja schon was, also trinkmässig, da müssen sie sich nicht sorgen, da geht schon was zusammen, aber von Interzone - keine Spur. Und was Insekten sehen und so betrifft: der ein oder andere hat mal gespieben, und ich hatte mal das Gefühl, dass der Hund vom Wirt irgendwie größer wirkt, aber sonst: Fehlanzeige!

An der Stelle vielleicht auch eine kritische Bemerkung. Die Sachen, die sie da so beschreiben und genommen haben, die sind ja illegal. Da kommt der einfache Mann nicht so einfach dran. Wir haben uns gezwungenermaßen dann mit anderen Substanzen versucht zu behelfen. Aber vom Insektenmittel kriegt man Durchfall, beim Flohpulver hat der Toni Asthma bekommen und beim Himbeergeist mit Ibuprofen von der Roswitha, das war mehr so eine Art innere Wirtshausschlägerei, aber in Zeitlupe. Von wegen Erotik oder so, da war auch nichts zu merken. Wir haben alles probiert, Herr Börrooghs, sogar bis hin zum Gras. Der Beppi hat ja sonst vor allem Mais, aber er hat extra einen Hanf angebaut, wegen uns und dem Beat. Aber in der Wirtschaft darf man ja nicht mehr rauchen und wo wir es draußen geraucht haben, sind wir eher müde geworden. Und der Schorsch hat erzählt, wo er das Kälbermastmittel mit dem Morphium genommen hat und sich dann vor den Ameisenhaufen gelegt hat; da ging ein bissl was zusammen, aber auch nur beim ersten Mal.

Unterm Strich also ist meine Frage die Folgende: wie kommt man in die Interzone und/oder kann man den Herrn Mugwamp anderweitig treffen? Über eine Antwort würden sich sehr freuen, mit freundlichem Gruß,

Manfred Huber und Ihre Freunde vom Literaturkranz Trostberg.

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