Posts mit dem Label Wissenschaft werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Wissenschaft werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 31. Mai 2015

TonicTest - zweite Runde

Tonic, Tonic, Tonic ... und kein Ende. Nach dem Beginn der noch immer anhaltenden Gin-Schwemme schwappt und schweppt es nun mit Tonic ganz ähnlich. Nachdem nun fast jeder Brenner da draußen sein Portfolio um einen Gin erweitert hat, hat nun auch jeder Produzent sonstiger Getränke ein Tonic um Angebot.

Unlängst nahmen wir uns dieser Flut in einem ersten Test an - aber das war ja nur die Spitze des Eisbergs. Es folgt die zweite Runde der Tonic-Vertestung.

Verkostungsphalanx
 Numero Uno in der Verkostungsphalanx: Der Schweppes Premium Mixer.


Unter Gin&Tonic-Aficionados ist das Schweppes Tonic ja immer so eine Sache - ich persönlich bin da auch kein so richtig großer Fan. Aber das Standard-Schwepps Tonic hat ein paar große Brüder - wir probieren den "Premium-Mixer" und sind sehr positiv überrascht. Zunächst aber mal noch nicht positiv von der Nase - Im Geruch weht einem ein Hauch von Plastik um den Zinken gefolgt von medizinischen Noten. Im Geschmack kommen diese Eindrücke aber nicht durch und die positive Überraschung setzt ein. Es ist frisch und süffig, nur zurückhaltend bitter. Pur also ein wirklich gutes Tonic.

Wir mixen einen Gin Tonic mit Broker's - und stellen fest: Dagegen hat das Tonic keine echte Chance, es geht baden. Wir ergänzen ein paar Schlucke Tonic mehr und unterstützen mit einer Zitronenzeste - und siehe da: Ein sehr ordentlicher und relativ leichter GT kommt heraus. Kann man machen!

Allerdings ist das Tonic recht zapfig im Preis (rund 3 € für das kleine Flascherl) und da gibt es günstigere Alternativen sich durch den Sommer zu süffeln.

Als nächstes im Testglas: Acqua Tonica vom Mineralwasserriesen Sanpellegrino


Die Nase ist sehr flach, am Rande der Inexistenz, riecht kaum mehr als das Mineralwasser. Der Geschmack überrascht dann. Es wirkt sehr frisch und geschmacklich lebendig, leicht und nicht übermäßig bitter, hat dabei aber den Eindruck, dass es etwas mehr Kohlensäure vertragen würde.

Wir mischen wieder mit dem Broker's und sind ein zweites Mal überrascht: In der Kombination mit dem Gin blüht es weiter auf, setzt ihm Schranken und zeigt sich deutlich selbstbewusster als sein Schweppes-Kollege zuvor. Top Mischung. Wir ergänzen wieder eine Zitronenzeste und bäng - er wird noch besser! Yes! Schön!

Next in Line: ME Tonic


Eine wirklich hübsche und stylische Flasche.

Es riecht sehr künstlich und süß. Es schmeckt nicht so künstlich wie es riecht - dafür aber noch etwas süßer. Sonst schmeckt da nicht sonderlich viel, Süß, süß, süß. Also mal mit Gin mischen. Jetzt wird das Tonic unangenehm. Es stört zickig, ist aufdringlich und verhält sich wie ein störender und uneingeladener Partygast. Wir versuchen es wieder mit einer Aufwertung durch die Beigabe einer Zitronenzeste, was aber nach hinten los geht. Es entwickelt sich ein leichtes Klosteinaroma. Puh. Wir geben nicht auf und ergänzen ein Salbeiblatt als Kicker. Jetzt erinnert es an Klostein mit Salbei. Na das lassen wir mal lieber sein. ME? Not with us!

Es geht weiter mit einem italienischen Tonic - Macario


Was man den italienischen Tonics wirklich lassen muss: Sie haben etikettalen Style.

Die Nase ist fruchtig ohne medizinischen Einschlag. Geschmacklich ist es auf der bitteren Seite. Sehr angenehm und überraschend ist das Mouthfeeling mit einer deutlichen, frischen und lang angenehm bizzelnden Kohlensäure. Könnte vielleicht etwas crisper sein.

Da der Broker's Gin bei der letzten Runde sein Leben komplett gab, sich die Flasche in die Ewigen Jagdgründe der Trockenheit verzogen hat, müssen wir den Gin wechseln und wechseln zu dem Bavarian Dry Gin von Liebl.

Die Aromen fangen ein entspanntes Ping Pong an. Die pur so angenehme Kohlensäure könnte in der Kombination noch etwas stärker sein - wäre sie das würden wir jubeln. Wir ergänzen eine Orangenzeste als Kicker und sagen: Jawollo! Der Kicker legt sich selber auf und versenkt souverän oben links im Eck.

Nummero 5: Naturfrisk


Ein dänisches Tonic. Organic. Ist es auch nordic? Ist es fresh?

Die Nase ist irritierend. Bizarr ... aber es hat etwas ... ja ... fleischiges?!

Alle typischen Geschmackseindrücke sind da. Bitter. Süß. Sauer. Aber die Aromen wirken isoliert. Es gibt kein geschmeidiges Zusammenspiel. Das Bittere sticht gegen Ende durch und behauptet sich - aber die beiden anderen Aromen unterwerfen sich nicht sondern bleiben bockig. Unrund. Dafür mit 3,50€ für die kleine Flasche schön teuer.

Mit dem Gin kommt die Überraschung: Es erwachen neue Aromen und die vorher so uneinigen Aromen rücken solidarisch zusammen. Es entsteht etwas angenehm Orangiges. Eine Versöhnung der Aromen? Fast - die Bitternote kartet gegen Ende noch mal nach und stellt sich wieder in ihre eigene Ecke.

Das letzte Tonic der heutigen Verkostungsreihe: Das Windspiel Tonic

Klingt ja eigentlich vernünftig, wenn ein Gin Produzent auch das passende Tonic für seinen Gin produziert. Der deutsche Windspiel Gin schaut nicht nur hübsch in der Flasche aus, er ist auch als Gin ziemlich gelungen. Also der Gin.

Aber das Tonic ... ups. Ähm. Auwei. Was ist das denn? Bizarr, but not in a good way. Das Tonic ist süß und schmeckt nur, und zwar wirklich NUR, in der Mitte der Zunge. Dort nistet sich der Geschmack ein und wird schwer. Fühlt sich an, als würde es durch die Zunge und durch den Kiefer auf den Boden plumpsen wollen. Wir haben den Eindruck, als würde die Gaumenmitte mit der Mitte der Zunge mit einer alten Pflaume unmotiviert Ping Pong spielen.

Wir mischen wieder mit dem Liebl Gin, weil wir den Windspiel leider grade nicht zur Hand haben. Auch mit dem Gin wird es nicht besser. Es schmeckt in der Summe nach einer Schuldgefühl behafteten Mischung aus Kopfschmerz und Völlegefühl.

So much for today ... to be continued!




Dienstag, 5. August 2014

SCHAUMPARTY ... und die Kunst der Selbstkonditionierung

Der aktuelle Sommer ist immer der Schlechteste. Zu nass. Zu warm. Viel zu heiß. Zu kühl. Zu wechselhaft ... zu was auch immer. Und das ist eine lange Tradition.

Der große Philosoph Janosch schrob in seinem großartigen Roman Polski Blues "Wer Hawaii nicht im Herzen trägt, der findet es auch nicht auf Hawaii." Und da hat er sehr recht. Und mit dem Sommer ist das 100%ganzgenauso. 

Es ist Sommer, verdammt  - das ist eine Einstellungssache und hat überhaupt nichts mit dem Wetter zu tun. Was aber tun, wenn die Einstellung nicht passt? Ja, das ist ja nun ganz einfach. Oder doch?

Amerikanische Wissenschaftler haben in einer groß angelegten Studie herausgefunden, dass man persönliche Einstellung ganz bewusst induzieren kann, durch den konzentrierten Konsum von Schaumweinen und dem sich gleichzeitigen Vorsprechen der zu induzierenden Einstellung. Sofort ausprobieren. Ich habe es getan und es hat funktioniert. Meine Einstellung zu ekligem nässenden Ausschlag hat sich kein Stück geändert - und genau das wollte ich auch erreichen. ES IST FASZINIEREND!!!!

Wir helfen mit einer SCHAUMPARTY!


Schaumparty ... soso ... was ist das denn?

SCHAUMPARTY bedeutet, dass wir grade SchaumweinSpezialWochen haben! Und wir haben top Stoff eingekellert (...wir liefern also die Basis für das autosuggestive Experiment ... ).

DER TOP-STOFF:


Nägele privat trocken - frisch, fruchtig, Proseccokiller - 6erKiste: 42 €
Nägele Riesling brut - mineralisch, trocken, kieselig, sofortsommerinduzierend - 6erKiste: 60€
Nägele Pinot Rosé - ja bitte so! zarte Waldbeeren! Wie Bowle in geil! - 6erKiste: 60€


Demarie Birbet - ein Klassiker. Süß, ohne zu süß zu sein. Wie ein Kir Royal in toll! - 6erKiste: 60€

NEU - PROSECCO VON TERRE NARDIN - Aktuell mit 10% RABATT:


Prosecco DOC - frisch, knackig, ehrlich - die aktuell rabattierte 6erKiste: 60€
Gold Cuvee - mehr Körper, zarter, passt toll zu Fisch - die aktuell rabattierte 6erKiste: 60€
Pink Cuvee - mein persönlicher Highlight von Terre Nardin - geschmeidige Waldfrucht, umwerfende Farbe - die aktuell rabattierte 6erKiste: 60€
(gibt es in begrenzter Menge auch als Magnum)

NA KLAR 1!
Ab zwei Kisten bringen wir euch die Schaumparty im Münchner Stadtgebiet vor die Haustür!

NA KLAR 2! 
Wir verschicken auch!

NA KLAR 3! 
NEIN ... wir übernehmen keine Garantie dafür, dass ab jetzt der Sommer super ist ... sie kommen vielleicht auf Gedanken ...

Bestellen? Auf geht's! Einfach hier klicken und in eine Mail Fragen und Mengen hacken!

Dienstag, 17. Juni 2014

Vinaldi-Versuchsküche: TATAR!

Tada!! - Da kommt der Tatar!

Nach der absolut umwerfenden Erfahrung beim Forschungskochen zum Thema "Die Innenansichten eines Bisons" haben KochKollegeKemmler (TripleK? ... klingt nach jeder Menge Flow und Skill, oder?) und icke bei dieser Runde Tatar als Target thematisiert. Traumhaft!

Zwei Männer, sechs Tatare unterschiedlichster Anmutung.

Doch beginnen wir wo anders.

Der Legende nach heißt das Tatar Tatar, weil das Reitervolk der Tataren sein Wegzehrungsfleisch unter dem Sattel lagerte und es so mürbe ritt. Das kann man so machen, ist aber mühsam. Und man braucht ein Pferd. Und Zeit. Und einen Sattel. Einfacher ist es sehr gutes ROHES Fleisch entweder mit ordentlich geschärftem Messer schön klein zu schneiden oder es zu schaben. Warum wurde denn da "ROHES" in brüllenden Kapitellen geschrieben? Na deshalb, weil es gemeinhin beim Tatar um den Verzehr von ROHEM Fleisch geht. Gleich, welches Tier dafür herhalten musste, auch wenn es meistens um ein Filet vom Rind geht, bei der Geschichte geht ...  es muss gar nicht zwingend ein Tier dafür herhalten ... wenn es was klein Geschnittenes, salzig-sauer-scharf Gewürztes ist, dann kann man durchaus auch Gemüse- oder Obst-Tatare zusammenklabustern. Man sollte sich da nicht dem Dogma unterwerfen, dass es nur dann ein Tatar ist, wenn man ROHES Tier auf dem Teller hat. ... es kann auch mal gekochtes oder geräuchertes sein ... oder eben halt auch keines ...

Häufige Begleiter der Fleischbasis sind: Sardellen, Kapern, Worcestershiresoße, Essiggurken, ROHES Ei, sonstiges Ei, fein gehackte Zwiebeln, Tabasco. Man sieht die Richtung ...

Wir haben uns bei unserem Versuchsaufbau versucht von jeglichen Dogmen zu befreien und haben den Testlauf unter das Motto TATAR und EI gestellt. Jawoll!

 

Tatar1 (MC)
Tafelspitz, Kartoffeln, Schnittlauch, Meerrettich - getoppt von einem OnsenDotter (hierfür wurde das Ei 3 Stunden bei exakt 64° C gegart). Der Dotter lässt sich streichen wie weiche Butter und hat ein hyperintensives Eiaroma.

TafelspitzTatar - ja - das geht ... wenn man es macht ...

Ein Twist auf die klassisch bekannte Tafelspitz-Erfahrung - eine Annährung an Kartoffelsalat. Und ja: Kein rohes Fleisch und kein rohes Ei. Richtig. Aber wie gesagt: Wir sind komplett ausmeditiert und dogmenbefreit an die Sache ran!

Tatar2 (TripleK)
TripleK hat seine Tatare unter das kongeniale SubMotto "Tres Hombres" gestellt und gibt jedem der Bengel einen schönen Schluck zur Gesamtkomposition passendes Feuerwasser mit!

Geräucherte Wachteleier, behutsam geräuchtertes ROHES Rinderfilet, ein Schuss Ardbeg Corrywreckan, marinierte gewürfelte Salatgurke mit Chili. Getoppt von einem geräucherten WachtelEi, begleitet von BrezenChips.

Hombre1 - Whiskey
Der sich zart durchziehende Rauch kitzelt neckisch am Gaumen. Das Wachtelei reckt keck seinen oval gewölbten Körper. Die Gurke verneigt sich vor dem klassischen Ansatz und dem modernen Umsatz.

Tatar3 (MC)
Wenn hier kein Fleisch dabei wäre, dann wäre das fleischfrei. Das stelle man sich mal vor ...

eine Runde Eierlastigkeit

KartoffelTatar mit getrüffeltem Ei, Brilliat-Savarin (frischer, cremiger, Kuh-Frischkäse), Muskat, getoppt von einer Scheibe Trüffel - dazu ein aufgeschäumtes Trüffel-Rührei und ein Capacc - also nur eine Scheibe ROHES Rinderfilet - die aber dafür etwas dicker.

Tatar4 (TripleK)
Ein umwerfendes Farb- und Texturspiel! Forellenkaviar, geräucherte Jakobsmuschel, Belugalinsen, ApfelEssig, Minze, ein Schuss baconflavoured Wodka - getoppt von einem WachtelSpiegelEi.

Hombre2 - Wodka
Die unterschiedlichen Texturen der Bestandteile tanzen hier einen nicht enden wollenden DreierTango.  Fazit: ui!

Tatar5 (MC)
Räucherlachs, cremiges Eigelb, Chili, noch etwas mehr Chili, Avocado - eingewickelt in ein Reisblatt - angerichtet an einem KürbisPü.

die Rolle und der Pü
Chili mit ordentlich Wumms. Wirklich guter Räucherlachs, der direkt eine sehr intime Kuschelfreundschaft zu der Avocado begonnen hat - süß die zwei zusammen! Der KürbisPü diente bei dieser als Fingerfood sehr geeigneten Darreichungsform als Dipp. Prädikat: besonders cremig.

Tatar6 (TripleK)
Wieder Beef. Cote de Boeuf. Kapern. Sardellen. Matjes. Etwas Senfpulver. Rote Zwiebel. Und ein guter Schuss Gin. Getoppt mit ROHEM Dotter. Dazu Pumpernickel.
Hombre3: Gin
Nach aktuellen Untersuchungen von schwedischen Sonntagsforschern gibt es zurzeit kaum bessere Alternativen als seine Sonntage mit diversen Flaschen Wein uns konzentrierter Tatarforschung zu verbringen. In der leider viel zu selten zitierten und von mir frei erfundenen Studie "Rohes Fleisch und Eier - und warum diese Kombination so geil ist" wird eindeutig belegt, dass bei den untersuchten Testpersonen das individuell gefühlte Glück mit steigender Menge von Tatarexperimenten stieg. Ei beeinflusste dabei signifikant positiv. Wein auch. Gin erst recht. Die Kontrollgruppe, die weder Tatar, noch Ei, noch Wein, noch Gin im Erhebungszeitraum konsumierte, wird in dieser Studie nur sehr kurz beschrieben, nämlich so: :-(.

Ein hoch auf die Wissenschaft!