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Montag, 1. Dezember 2014

RETROSPEKTIVE: Alternativer Advent 1 - Breakfast

Der Auftakt der Serie "Alternativer Advent: Kunst und Kulinarik vor Kemmlers Kamin" - mei, schön war er. Und kuschlig war es vorm Kamin.

Eindeutig erstadventig gemarkerter Kamin.
Eine Veranstaltung fürs Herz. Eine Flucht aus der feuchten Kälte und der psychedelischen Weihnachtsdeko. Ein Rückzug ins Gediegene und gleichzeitig ein sich Hinstrecken zu gleichgesinnten Fremden. Ein schön gestimmter Auftakt, der die Freude auf die nächsten drei Adventsveranstaltungen munter geschürt hat.

Ein mehrgängiges GabelFrühstück. An sich schon ein ungewöhnlicher Ansatz. Und dann auch noch Literatur dazwischen? Aha! Und dann auch noch alles ausgerichtet auf "Breakfast at Tiffany's" von Truman Capote? Echt? Genau das! Und jetzt retrospektieren wir mal, was es da so gab.

Als kleiner Gruß vorweg gab es ein Zimtplunderteilchen mit einem Espresso Macchiato im Pappbecher.

Ein selbstverständlich nicht willkürlich dahingegrüßter Küchengruß, sondern ein Zitat der ersten Szene des Films.

Holly Golightly vor dem Tiffany's Schaufenster. Frühstückend.
Plunder- und Kaffeegruß. Servus!
Und so vorab gestärkt ging es dann in en ersten Gang.

GANG 1 - HolEI GolightEI

Neben dem nun schon von unterschiedlichen Wortspielverbänden mehrfach für Preise nominierten Titel des Ganges, ein hoch interessantes Gericht. Aber eigentlich nichts weiter als zwei Eier im Glas - nur eben als zwei Eier in zwei Gläsern. Beim Servieren läuft Moonriver in der Akustikversion, von Audrey Hepburn herself gezwitschert.

Zwei Eier in 2 Gläsern
Das linke Ei: 
Ein geschmeidiges KartoffelPü, darauf ein sahniger Blattspinat, darauf ein OnsenEi ... und ja, es ist so: Ich habe einen OnsenEi-Fetisch ... und wissen Sie was: NA UND?! (mehr zu diversen Onsen-Eiern - hier)

Das rechte Ei:
Gebratene Champignons mit einem fluffigen und getrüffelten RührEiSchaum.

Führende amerikanische Frühstückologen haben errechnet, dass man eigentlich nicht zu viele Eier zum Frühstück haben kann. Sehr wohl aber zu wenig (nämlich zum Beispiel keins ... undenkbar) - das wollten wir auf keinen Fall riskieren.

Zu der Eierei des ersten Gangs gab es einen Prosecco. Nicht nur für den Kreislauf, sondern auch wegen tatsächlichen Genussgründen. Fast jedes Getränk hat es schwer gegen Ei, da sich der Dotter, das alte Ferkel, gleich über den Gaumen und die Papillen legt und die für weiteren Genuss erst Mal versiegelt. Der Sekt schafft es, diese Schicht zu durchbrechen und wieder neue Aromen an die zugehören Rezeptoren zu lassen.

Im Übergang zu Gang 2 liest Herr Kemmler sonor eine Schlüsselstelle aus dem Roman. Es formen sich Wolken winterlicher Wonne im Raum.

GANG 2 - NY eating the Big Apple

Wir zelebrieren in diesem Gang den großen Apfel. Und zwar mit noch mehr Eiern. Ja und auch mit Äpfeln. Beim servieren läuft Moonriver in der ChaChaCha-Version.

Auf dem Teller haben wir einen FrenchToast. Supertypisch für Amifrühstück. Unsere Version ist in Ahornsirup karamellisiert und mit einem Spritzer Sojasoße mit hintersinnigem Charakter aufgeladen. Er wird begleitet von seinem besten Freund: BACON. Der Bacon kommt als Eis (ja, als Eis) und als Marmelade. Dazu gibt es hauchzarte Apfelscheiben, die schön lange in Calvados (Apple-in-Apple-Approach) eingelegt wurden, in der Gesellschaft von Ingwer und Gurken.

FrenchToast & Bacon
Dazu gibt es ein HeidelbeerMilkshake - der als Huckelberry Friend zum einen aus Moonriver rauszitiert ist und zum anderen als Dompteur in der Arena der Aromen für Ordnung sorgt.

Als Brücke zum nächsten Gang verlas Wortmeister Sven dieses sozialkritische Geheul als Antithese auf das Weichgespülte. Recht so! Mit einem schön fleischigen Schluss!

GANG 3 - TrueMeat CaPoTe

Ohne Fleisch soll das ein amerikanisches Frühstück werden? NIEMALS! Wahres Fleisch also in Gang 3 - und zwar in Form von einem schön zarten rosa glänzendem Stück Roastbeef mit Remoulade, begleitet von Blutwurst. Und beim Servieren läuft Moonriver in der groß orchestrieren Version.

CaPoTe - das steht akronym für:

Cabbage: einen leicht apfeligen Cole Slaw Salad.
Potatoe: knusprig gebratene Bratkartoffeln.
TerrorBeanz: ... da könnte man jetzt sagen "naja ... das ist aber einbisserlargweithergeholt, oder?" - KÖNNTE! Denn diese Baked Beans meinten es ernst und hatten schönen ChiliBumms im Kreuz.

TrueMeat und seine Freunde
Als Getränk dazu: Eine Kreation für genau diesen Abend - der SingSingSling. Logischerweise ein Apfelcoktail mit Tiffanybezug. Sing Sing heißt der Knast von New York. Und in diesem sitzt Sally Tomato, der gute Onkel Sally, den Holly im Film regelmäßig besucht und für ihn chiffrierte Nachrichten in ihrer naiven Art unbewusst übermittelt. Hinterhältig von Sally. Hinterhältig auch der Cocktail - denn Alkohol schmeckt man da kein bisschen.

In der Überleitung zum letzten Gang las Herr Kemmler die Ursprungspassage vom Beginn in verschiedenen englischen Dialekten, was uns mit der wahren Holly, der Holly in ihrem eigenen Selbstbild und ... der schottischen Holly, die aber auf bizarre Weise eine energetische Authentizität ausstrahlte, in Kontakt bringt.

GANG 4 - Moonriver and the Rain in the End

Der letzte Gang ist Hollys schrecklich stereotyp gemimtem Vermieter gewidmet, Mr. Yunioshi, gewidmet.

 

Um dieser frechen Verballhornung eines Japaners was Ehrliches und Echtes entgegenzusetzen gibt es etwas, was wirklich typisch für die japanische Küche ist. Eine Suppe. Entenkeulen mit reichlich Sake angesetzt. Und um für Völkerverständigung zu sorgen kam auch noch ein ordentlicher Schuss Bourbon rein.

Das Ergebnis: Eine kräftige Entensuppe asiatischen Stils - eng verwandt mit dieser hier, nur eben mit Entenkeulen anstatt Schweinebacken. Beim Servieren läuft Moonriver in einer seltsam davidlynchartigen Version von Nan Vernon, auf japanisch.

ThaiJapanisches Crossover - mit Nudeln, Entenfleisch, Koriander, Spargel und Mais
Und dazu ein Schälchen grünen Tee.

Wohligkeit all über all. Satt und zufrieden. Harmonie. WeihnachtsZen in bester Form. Zusammenkunft. Genuss und Spaß an der Freud.

Und nächsten Sonntag geht es weiter - mit der nächsten Mahlzeit - dann ist Lunch-Time!

Antithese zu "Breakfast at Tiffanys" von Sven Kemmler

(Verfasst für den Ersten AlternativenAdventEvent der Serie "Kunst & Kulinarik vor Kemmler's Kamin" - zum Thema "Breakfast at Tiffany's")

Antithese zur "Romatik von Frühstück bei Tiffanys" zwengs wegen der Dialektik und weil man ja sonst eh nur Schönes darüber sagt, oder sagen kann, und einer muss ja auch mal was dran meckern, damit es schön bleibt, darum!

Ja, Frühstück bei Tiffany's, toll, und so träumerisch. Audrey Hepburn, hmmm, so süß, nein nicht süß, ätherisch, schwebend, romantisch.

Die Geschichte eines hauptsächlich unerfolgreichen Schriftstellers, dessen Miete eine verheiratete Innenarchitektin zahlt, der er sexuell zu Diensten ist, der sich mit einem It-Girl anfreundet, die ihr Einkommen mit Bettversprechen und gelegentlichem Vollzug bestreitet, außerdem Kuriertätigkeiten für die Mafia durchführt, sowie in Alabama oder Texas drei Kinder hat. Süß?

Wir reden hier also von zwei P1 Freizeitstrichern, die einen feuchter Teenie-Traum für Erwachsene leben. Bindungsängste, Verantwortungslosigkeit und Naivität als Vorbild für Träumende in manieristischer Erzählselbstbefriedigung. Lothar Matthäus goes Thomas Mann.

Zu den Protagonisten:
Der arme Schriftsteller, hach, aber statt dem Spitzweg Regenschirm unterm Dach, ist er die Variante armer Poet der sein Appartment in bester Lage unter der Gürtellinie löhnt, von der Mystik eines Land-eies verzaubert, dass alles anmacht, was bei drei nicht den Geldbeutel zu hat. Er sagt nichts, er macht nichts, er kuckt hauptsächlich blöd und tut - indem er darüber schreibt - so, als wäre sein Autismus kulturell erheblich und als könnte er könnte aus dem Starlet-Luder eine Diva zaubern. Und da er außer dumm schauen und darüber berichten aber auch gar nix zu bieten hat, kommen wir schleunigst zu ihr:

Holly Golightly ansatzweise manisch-depressiv und hysterisch sowieso, ist eine Frau, die mit zuviel Intelligenz in der Diaspora der Schlauheit eingeboren wurde, dem amerikanischen Süden, wo sie dann nach angedeutetem prämaritalen Schlüpfrigkeiten als halbes Kind mit 14 zwangsverheiratet wurde, bis zum Alter von 18 drei Kinder mit einem dumpflieben Landarzt hat, der in seiner bräsigen Idiotie wahrscheinlich vom ZDF konzipiert wurde, und die jetzt alles unter den Top 50 der Reichen Amis vögelt, um nicht mehr zu sein, wer sie ist.

Und dann wird auch noch das einzig Ehrliche an ihrer Geschichte - nämlich dass sie nach einem Schwangerschaftsabruch, der von einem Presseskandal ausgelöst wurde, als Mätresse von irgendeinem Gaucho-Fettsack in Buenos Aires endet - das also, wird im Film gnadenlos  zugehollywoodet, weil sie auf Leinwand eine Spät-Epiphanie hat und zwei Minuten vor Ende plötzlich endeckt
"Oh, ich hab ja einen der Waffel! Und der minderbegabte Kolumnenschreiber, den ich wie den Ochs am Nasenring durchs Karree gezogen hab, dieser Vollhorst also, das ist ja so ein lieber Kerl, fällt mir gerade auf, mit dem such ich jetzt im Regen meine Katze und dann leben wir glücklich bis ans Ende aller Tage.

Was ist das denn? Sozialporno? Kann man so schnell von sozialer Inkopetenz in 30 Sekunden auf Gefühlsdauerständer switchen? Ja, sowieso. Und rosarote Elefanten schwingen sich zwitschernd von Baum zu Baum.

Und der Hort des Guten, Symbol der disneyhaften Eskapismen dieses Sommermärchens für Käufliche,  ist ausgerechnet Tiffanys.
Tiffany's - ein, wenn nicht DER Kapitalismus-Tempel überhaupt. Ein Ort an dem täglich rotzhässliche Colliers mit Blutdiamanten an die komplett nutzlosen  Gattinnen von Wirtschaftsverbrechern vertickt werden, damit die Damen wenigstens irgendeinen Lebenszweck fühlen, und der damaligen Variante des weiblichen Schwanzvergleichs fröhnen können, während sie auf Charity Dinners in den Hamptons Geld für genau die Holly Golightlys sammeln, die glauben, wenn sie bei Tiffanys landen, wäre das die Absolution für verschissene Kindheit, geklaute Jugend und verkauftes Dasein.

Das ganze geschrieben vom erwiesenermaßen unsympathischsten Schriftsteller seiner Generation, Der erwiesenermaßen jedem auf den Senkel gegangen ist, den er getroffen hat. Das war der Urhipster, völlig nutzlos, der Axolotl Roadkill seiner Tage. Eben mit genau den richtigen Codes fröhlich Zecke am Schickeria- und Intelellensäckel.
Ein Kerl, der sich in New York mit Anfang zwanzig selbst in die High Society pimperte, dann mit einem Literaturprofessor rummachte bis er - Oh Wunder! - veröffentlichen durfte, paar Kurzgeschrichten schrieb, dann 6 Jahre an seinem großen Roman "Kaltblütig" schrieb, wo er sich als eine Art Bildreporter in das Leben aller Beteiligten eines Doppelmordes wanzte, danach dann drogenabhängig versackte, um schließlich völlig kreativverbrannt einen Schlüsselroman über Insiderwissen der reichen und Hässlichen zu veröffentlichten, bevor er dann allein und von regelmäßigen Halluzinationen begleitet im Sanatorium abdankte.

Sind wir also mal ehrlich. So eine Geschichte, so Mordsbohei um nix, das ist wie die Buchvariante eines zu einseitigen Frühstücks. Und bei diesem Frühstück gibt nur so Ökoscheiße, mit Kulturanspruch und Begleitgewimmer, weinerliches Eiergepansche und Obstschaum und Blabla.
Aber kein Fleisch, keine Grundlage, nix, worauf man einen Tag gründen kann, worauf man mal was ordentliches mit Umdrehungen trinken kann, ohne gleich umzufallen.  Fleisch halt, sowas.
Und wenn man schon einen ganzen Mittag verschwendet für das geblümte  Einhorn unter den Frühstücksmottos, dann bitte doch auch mal zwischendrin was mit Gehalt!
Und danach, nach dem Fleischgang, da kann man dann auch wieder mit Audrey träumen. Und sich auf eine Geschichte einlassen, die erzählt, wie man aus Verlorenheit mit Hingabe und durch Phantasie eine chaotische, aber liebevolle Würde entstehen lassen kann. Aber das erkennt man nur mit was Anständigem im Magen.


Mehr zu und von Sven Kemmler - hier: http://www.sven-kemmler.de/

Sonntag, 12. Januar 2014

Dinermite2 - Frühstück

Es hat nicht lange gedauert, da hat sich die Vorfreude auf die zuletzt schon angesprochenen Eggs Benedikt, die da so lustvoll lockend im Dinermite auf der Karte stehen, zu einem unwiderstehlichen Sog entwickelt und einen erneuten Besuch in diesem neuen Etablissement erzwungen.

Dieses Mal zum Frühstück. Zu einem ehrlichen, geraden, unsubtilen 2000 Kalorien Frühstück. Zu dem es ehrlichen, geraden aber guten Filterkaffee gibt. Bislang sucht man Latte und Cappuccino Zeugs vergeblich auf der Karte. Hier gibt es, wie es sich für einen Laden gehört, der ein Diner sein will, Filterkaffee, in Humpen serviert und aus einer bauchigen Kanne eingeschenkt.

Wir futtern uns durch die Eggs Benedict (na klar!), die Frühstücksvariation Cartwright (mit Hashbrowns, Spiegelei, krossem Speck und gebratener Blutwurst (danke dafür)), einem mit RosmarienCremeCheese zu obszöner Mächtigkeit gefüllten FrenchToast mit noch mehr Speck und Alibi-Melone - außerdem Baked Beans und nochmals die bereits geehrten Grünen Tomaten.

Eggs Benedikt: pochierte Eier auf English Muffins und krossem Schinken mit Holondaise

French Toast: Creme Cheese-Füllung, Bacon und Melone. Wegen der Vitamine.

Cartwright: Hoss freut sich über Hashbrowns, Ei, Speck und vor allem über Blutwurst

Das dieses Mal nicht ganz so flottfreundlich servierte Frühstücksmaterial kommt wie fast schon erwartet: mächtig, richtig, auf den Punkt. Der Speck ist so kross, dass man die Uhr danach stellen kann. Hashbrowns. Ein bisserl schlonzig, aber so genau richtig um Dotterreste aufzusammeln. Die poched eggs fließen beim Anschnitt döterströmend lehrbuchmäßig aus. Wunderbar. Benedikt, dir wurde Wohl getan!

Die Mächtigkeit des so zart wirkenden French Toast ist überraschend, denn der Creme Cheese in der Mitte baut hier massive Substanz auf. Die leichte Kräuternote passt sehr schön zu dem Hauch von Zimt - dazu der Speck und eine Spur Ahornsirup und man braucht dafür eigentlich einen Waffenschein.

Die wirkliche Überraschung waren die Baked Beans: Die hatten nichts zu tun mit der tomatigsäuerlichen Variante, die man bei englischen Insulanern gerne mal auf den Teller geklatscht bekommt, und die grade nach einer durchzechten Nacht Körper und Magen vor ultimative Herausforderungen stellen kann. Nein - diese baked beans zeigen, wo die Stärke des Dinamite liegen. In der Rauchigkeit, in der Fleischigkeit und in der Geschmackstiefe - und all das findet sich unvermittelt und nicht erwartet in dem kleinen Pappeisbecher, gefüllt mit baked beans. Die sind mein heimliches Highlight dieses rundum soliden Frühstücks.

Hatte ich das schon erwähnt? Wenn nein, dann hier nochmal: Geht in's Dinamite!

Montag, 15. April 2013

Die Retrospektive von SupperClub2

Der 13.04. war der Termin zum zweiten vinaldischen SupperClub. Schön war es - zumindest aus meiner Perspektive des SupperClub-Veranstalters. Sehr schön sogar. Ich hoffe, die Gäste empfanden das ebenso. Vielen Dank an alle die da waren - ich hoffe, auch euch hat es Spaß gemacht und wir sehen uns bei einem der nächsten SupperClubs wieder!

Das Motto war: 


... Moderne Germanismen ... aha! ... hä? ... gemeint war damit, dass die Ideen zu den einzelnen Gängen aus der reichhaltigen Tradition deutscher Tisch- und Esskultur kam. Die Basisideen sind dabei zumeist denkbar simpel und wurden dann in einem meist weininduzierten Denk- und Kreationsprozess solange geremixt, bis das Ergebnis ausreichend gastrofunky klang ... wollen wir nun gemeinsam schwelgend durch die einzelnen Gänge tanzen ...

ERSTER GANG: SEKTFRÜHSTÜCK

Basisidee: Frühstücksei

Das Frühstücksei ist für mich ein Inbegriff des Frühstücks hierzulande. Ei - Ein integraler Bestandteil. Und das Ei ist zudem in meiner Wahrnehmung grade unheimlich hip in der kulinarischen Welt - dazu gibt es genau hier auch eine intensive Beschäftigung mit dem Thema Ei.


Im Glas befindet sich ein bei niedriger Temparatur cremig gegarter Dotter (40 Minuten bei 80°C), unter diesem lauern Spinat, Erdnusscreme, ein Hauch Knoblauch und geröstete Pinienkerne - das alles tunkt man mit den krossen Toasstreifen genüsslich zusammen. Zum Frühstück gehört auch Marmelade - die gibt's hier auch in Form einer schön stückigen Zwiebelmarmelade flankiert von Büsumer Schinken.

Hier marschiert übrigens die Zwiebelmarmelade in Reih' und Glied.


Und was kam dazu in's Glas?

Der wunderbare Rieslingsekt von Nägele aus der Pfalz. Ein Sekt spritzig, elegant, frisch und trotz des trockenen Ausbaus mit schöner Frucht - es apfelt leicht und zitroniert zart. Schöner Kickstart in den Abend. Oder den Nachmittag. Oder eben zum Frühstück. Man trinkt ja viel zu wenig Sekt ...

ZWEITER GANG: ERBSESUPP (... und die Prinzessin auf der Erbse)

Basisidee: Erbsensuppe (ach! ... ach was !?)

- ja, doch! Erbsensuppe ist für mich auch ein Klassiker von deutscher Hausmannskost. Sie bringt an kalten Tagen ein Gefühl von Wärme in die Herzen. Sie stärkt nach einem harten Tag auf dem Feld. Und damit nicht genug: schön grün ist sie obendrein! Und grün ist die Hoffnung.


Im Flascherl findet sich die Erbsensuppe, verfeinert mit einem Schuss Gin und einem Hauch Sahne. Daneben entspannen sich kurz in Butter geschwenkte Zuckererbsenschoten auf einem bequemen Kissen aus Hummus - und darauf sitzt die Prinzessin: Eine Jakobsmuschel mit milder Currywürze. Die Curryaromen passen klasse zur Erbse, der Hummus ist fruchtig gehalten und die Orange darin spielt den Zuckererbsen in die Hände, wenn sie welche hätte ... also Hände ...

Und was kam dazu in's Glas?

Der Weg führte hier nach Süditalien, nach Kalabrien, zum Weingut Librandi. Der Critone besteht zu 90% Chardonnay und 10% Sauvignon Ein Rüssel voller exotischer Frucht bringt später auf der Zunge Apfel, Aprikose und ganz zart Mango zum Vorschein, bei stabiler Mineralik. Die mineralischen Noten passen sehr schön zur Erbse und die Frucht gut zu den Currynoten. 

Und by the way: Zuckererbsen sind einfach schöne Schoten!


DRITTER GANG: BAYUVARISCHES 2in1

Basisideen: Weißwurscht, Brezenknödel und Rahmschwammerl

Beim Durchdenken der deutschen Küchenklassiker bleibt es nicht aus, dass man über die bayrische Küche nachdenkt und da ist die Weißwurscht ein Klassiker. Und die klassischen Rahmschwammerl mit  Semmelknödel finden sich auch auf nahezu jeder Wirtshauskarte - und diese Klassiker habe ich zusammen mit Brezen und Senf in einen Hochgeschwindigkeitsauffahrunfall geschickt. Ungebremst.

Heraus kam: Weißwurscht im Brezenknödelmantel auf Speckrahmschwammerl mit einem Schaum aus süßem Senf.


Eigentlich ist die Weißwurscht ja ein Solist, der links und rechts nichts neben sich zulässt und sich dann auch noch die Zickigkeit gönnt nur vor 12 Uhr gegessen werden zu dürfen. Daran kann man sich halten, muss man aber nicht ... und was hier bei diesem Unfall entstand hat seine kulinarische Berechtigung und zeigt: Traditionen sind gut, sie bewusst zu brechen macht aber Spaß!

Und was kam dazu in's Glas?

Hierzu hab es Bier. Das Gourmet-Weißbier von den Weißbierfachleuten der Unertl-Brauerei. Ein würziges Fastenzeitbier, das mit seiner Stammwürze von 13,2% nicht zu malzig gerät und dazu gereichte Gericht schön samtig trägt.

"Gourmet-Weißbier" halte ich ja für einen recht depperten Namen. Da schwingt so was Pseudoelitäeres was mir nicht gefallen will. Aber mei - es ist ein saugutes Bier. 



VIERTER GANG: GESCHMORTES MIT KRAUT UND PÜ

Basisideen: Haxen, Kraut und Kartoffelpüree

Dazu muss man eigentlich nicht viel sagen. Das sind drei Bestandteile der deutschen Küche, die wohl auch in der ganzen Welt mit unserer Küche assoziiert werden. Meine Haxe ist vom Rinde und schmurgelte über 24 Stunden bei niedrigster Hitze in Rotwein, zusammen mit viel Gemüse, Zwiebeln und Knoblauch.


Dazu gesellte sich Speckkraut, kurz angebraten und dann ganz langsam in Gemüsebrühe gegart und zum Ende mit einem wönzigen Schlöckchen Sahne geadelt.


Zur Jahreszeit passend bekam das Pü eine Handvoll Bärlauch mit und wurde mit Bärlauchbutter in die Geschmeidigkeit gestampft.


Und was kam dazu in's Glas?

Wir kommen zurück zu Librandi und schenken den Duca Sanfelice ein. Der 100%ige Gaglioppo ist ein Wein für engagierte Aromologen, denn hier kämpfen beerige Waldfrüchte gegen machinelle Aromen, Leder und Gewürze – und wir sprechen hier nicht von "sowas wie Pfeffer“ – eher Garam Marsala. Fachleute sagen: Geiler Wein! Der Widerspenstige wird von der intensiven Soße mit den Aromen von Knoblauch und FLEISCH gezähmt.

FÜNFTER GANG: KÄSE

Basisidee: Obatzda

Gibt es was käseklassischeres als den cremig-würzigen Obatzda? Und beim Weiterüberlegen kam mir immer wieder "Romadur" in den Sinn. Zu Recht. Auch ein deutscher Käseklassiker. Insgesamt wurde daraus dann ein Romadurkäsewindbeutel an Obatzda mit Brezen-Chip, und begleitend dazu fand sich auf dem Käsetellerchen dann noch ein Trüffelcamembert und ein Bärlauchbergkäse.


Das man mit Brezen-Chips hübsche Türmchen bauen kann ist nur eine kleine aber interessante Randnotiz.



Und was kam dazu in's Glas?

Der Käsebegleitungsklassiker schlechthin, der nebenberuflich allerdings auch als Zigarrenbegleitungsklassiker und Dessertbegleitungsklassiker arbeitet. Ein Süßwein, der links wie rechts kann. Ein großer Tropfen. Der feurige Sizilianer Ben Ryé von Donnafugata. Zibibbo heißt die Traube, angebaut wird sie auf der pittoresken Insel Pantelleria vor Sizilien. Ben Ryé heißt „Sohn des Windes“ – wegen dem sanften Hauch der stetig über Pantelleria weht. Trockenobst, Feige, Honig und Kräuter feiern hier mit den Papillen Party. Genau das stand auch schon beim letzten Einsatzes dieses Killertropfens im Bericht zum ersten SupperClub. Ist bei sich selbst abschreiben auch ein Plagiat?

SECHSTER GANG: GERMAN KLEINIGKEITEN

Basisidee: German Kleinigkeit - das war ein Ausdruck aus der Raffaelo-Werbung. Und ich fand, dass das ein schöner Überbegriff wäre für Miniaturen von deutschen Süßspeisenklassikern. Dass sich, wenn man "German KleinigkeitW googelt auch direkt eine Galeri mit sehr bedingt erotischen weiblichen Oberkörperakten findet, die zum Beispiel Würstel aufgespießt haben ... ist reiner Zufall.

Unter den German Kleinigkeiten kommen hier folgende winzig zusammen: Bayrische Creme (angeberisch auch gerne "Bavaroise" genannt) im Weck-Glas, Miniapfelstrudel mit Cranberries, rote Grütze und ein winziger Gugelhupf.


Die Gugelhupfform schaut besonders ulkig aus, wenn man sie aus Reinigungsgründen auf Links faltet.



Und was kam dazu in's Glas?

SCHNAPS!! Jawoll! Und zwar ein urguter Haselnussschnaps. Und dieser Haselnussschnaps ist nicht nur deshalb toll, weil er mit seltenen 3 s in der Mitte glänzt, nein, er ist einfach ganz fantastisch haselnussig. pures Nutella für Erwachsene. Er nimmt Amaretto in den Schwitzkasten und gibt ihm solange Kopfnüsse, bis der sich selbst nicht mehr schmeckt. So geht Nussschnaps! Vielen Dank an die Brennerei-Fachleute von Liebl im bayrischen Wald.

Ja. Was gibt's sonst noch zu sagen? Mmmh ... Rezepte vielleicht ... ja ... ein paar Rezepte zu den Gerichten werden ganz sicher noch Nachwachsen - ich werde über ihr Erblühen dann informieren. 

Das nächste SupperClub-Thema ist schon beschlossen: Rock&Dine - jeder Gang wird von einem Song, einem Musiker oder einem Rockmusik-Subgenre inspiriert. Der Termin und das Menü sind grade in Arbeit und werden assapissimo kommuniziert.

SupperClub ... to be continued! ...