Posts mit dem Label Librandi werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Librandi werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 25. November 2013

Ein Herz und eine Niere. Und eine Leber - Ein Forschungsnachmittag

Drei Männer, drei Organe. Ein Tier. Eine Wiedergutmachung. Tatanka!

Eine Wiedergutmachung am Bison. Was hat der weiße Mann da an Unheil gebracht (Unheilbringen ist ja eine kultivierte Spezialität des weißen Mannes, mit der er auch nie aufgehört hat ... aber das nur am Rande).

Drei Männer stellen sich nun dem Bison um an einem Bison-Forschungsnachmittag den Bison in seiner Ganzheitlichkeit zu ehren. Und das von Innen heraus in einer schonungslosen Kochkonfrontation stellen sie sich der Zubereitung von Bisoninnereien und verarbeiten

Leber
Die Bison Leber

Niere

Die Bison Niere
Herz
Das Bison Herz
Jetzt muss man gleich vorneweg gestehen. Diese Auseinandersetzung mit Bisoninnereien ist kein rein schmerzlicher Akt der Kasteiung oder der kulinarischen Selbstgeißelung - nein ... sie ist ein bewusstes versenken in verborgene und ungewohnte Köstlichkeiten, die tragischerweise vom Speiseplan nahezu verschwunden sind.

Es sind verehrenswerte Teile eines edlen Tieres, deren Zubereitung zu fantastischen Genusserfahrungen führt. Ohhh  jaaaa!

DER ERSTE AKT - DIE LEBER

Die Leber des Bisons ist eine besondere Delikatesse. Entgegen vielleicht bestehender Vermutungen ist das Leber-Aroma, dass bei vielen ja diese IIIIIIHHHHHH-LEBER-BÄH!-Reaktion hervor ruft, beim Bison ganz zart und subtil. Noch milder als bei einer Kalbsleber. Hinzu kommt eine angenehme Wildnote.

Was Beefmaster Seven K. da zusammengebastelt hat, ist Kunst am Fleisch: Bisonleber - auf neoberliner Art mit russischem Einschlag (klickst du Link, kriegst du Rezept)

eingepfannte Leber, und glücklich köchelnde Soße
Wie es sich gehört kommt die Leber medium sehr rare auf den Teller und wird übergossen mit einer Zwiebel-Apfel-Wodka-Soße. Als Beilage gibt es eine Polenta, die mit Burrata, Sahne und Pecorino eine fast obszöne Cremigkeit erhält und den Papillenapparat samtig schmeichelt.

sich in sahnige Polenta schmiegender Burrata
Zu diesem Gericht wird ein Wein gereicht, der sich sogleich mit den herben, waldigen und leicht metallischen Aromen der Leber an einen Tisch setzt und mit ihnen Brüderschaft trinkt.

Der Duca Sanfelice ist kein einfacher Wein. Kommt aus Kalabrien vom Weingut Librandi. Er ist leicht verstörend mit komplizierten Aromen, die ein Verkoster mal sehr passend beschrieb mit "Schmeckt so, wie die uralte Nähmaschine von meiner Oma riecht" - und das stimmt. Er hat was maschinelles, öliges, technisches - aber gleichzeitig eine spannende Tiefe und einen ungewöhnlichen Schmelz. Unbekannte Gaumeneindrücke, die die autochtone Gaglioppo-Traube hier hervor ruft. Ein Wein, durchaus auch geeignet für Psychopathen oder solche die es werden wollen und damit schon von Hause aus ein konsequenter Freund von Innereien.

Alles zamm auf dem Teller kommt dann so daher:

Der erste Akt

DER ZWEITE AKT - DIE NIERE

Ich wage mich bei diesem Forschungsnachmittag gleich an zwei Premieren ... Niere und Herz. Beides noch nie gemacht. Schon gar nicht vom Bison. Bei der Niere entscheide ich mich für eine Variante des englischen Klassikers Kidney-Pie.

Doch davor mal ein kleiner Blick auf die drei Herren bei der Arbeit:
Herr S. zeigt es dem Pilz
Herr K. zeigt es der Niere 
Ich ess ma ne Wurst
Der KidneyPie (so macht man den übrigens) schmuste ungeniert mit einem urleckeren BirnenChutney (und das macht man übrigens so). Ein schöner Anblick. Und geschmacklich ... man hörte versonnen den Bison in den ewigen Jagdgründen genüsslich brüllen, als er sich darüber freute, was aus ihm wurde und wie sich die, die ihn zubereiteten in jungenhaftem Glück darüber freuten.

Der Pie an sich ist ein einladender Gesell von verführerischem Duft
Der NierenPie in seidiger Umarmung mit dem Chutney

Wir tranken aus Effizienzgründen dazu weiter den Duca Sanfelice, welcher auch zur Niere spitzenmäßig passte. Und als der leer war dann mussten die Sherryreste dran glauben. Das brachte auch Spaß und gleichzeitig die Fahrtüchtigkeit in einen Randbereich des Möglichkeitsspektrums.

DER DRITTE AKT - DAS HERZ

Das furiose Finale oder das Herzstück der Veranstaltung. Das geschmorte Bisonherz. Beim großen Manitu. Was für ein Hammer. Dieses Stück mystisch-kulinarischer Großartigkeit haben wir für immer in unser Herz geschlossen. Bisonherz in Portwein-Jus mit sahnigem Kürbis-Spitzkohl-Gemüse. Ein schönes Gericht.
So sah es aus ...
... und so auch!
Das Fleisch hat einen sehr deutlichen Wildgeschmack. Eigen, aber sehr angenehm. Die Konsistenz ist nach der langen Schmorzeit sehr zart mit einem leichten Biss. Eine wirklich großartige Textur. Der Portwein passt ideal dazu und hebt die dem Fleisch eigene, leicht Süße Note noch weiter. Dazu das sahnige Spitzkohl-Kürbis-Gemüse: sensationell!

Zu so einem brachialen Gericht muss man auch was Brutales ins Glas schütten: Brutalis! Und der heißt nicht nur so ... er ist eine Macht im Glas! 


Brutal - Brutaler - Brutalis
Mit 15% Alc kein Leichtgewicht aber trotzdem bringt er sehr differenzierte Frucht. Er zeigt mächtige Länge, erinnert ein klein wenig an die Opulenz eines Amarone, ist aber knackiger, was Säure und Schwere angeht. Ein Wein wie ein Western. Eine Faust geht nach Westen in Flaschenform. Schwer nicht nur der Wein, schwer ist auch die Flasche - eine Waffe aus extra dickem Glas.


Eine würdiger Begleiter zum wildern Herz des Bison.
Tatanka! Die weißen Männer verneigen sich vor dir und sagen Danke! Mit einem großen D.
Was bleibt da noch zum Schluss? Außer einem Digestif? 





würdiger Digestif
Prädikat: Zum Nachmachen empfohlen!

Montag, 15. April 2013

Die Retrospektive von SupperClub2

Der 13.04. war der Termin zum zweiten vinaldischen SupperClub. Schön war es - zumindest aus meiner Perspektive des SupperClub-Veranstalters. Sehr schön sogar. Ich hoffe, die Gäste empfanden das ebenso. Vielen Dank an alle die da waren - ich hoffe, auch euch hat es Spaß gemacht und wir sehen uns bei einem der nächsten SupperClubs wieder!

Das Motto war: 


... Moderne Germanismen ... aha! ... hä? ... gemeint war damit, dass die Ideen zu den einzelnen Gängen aus der reichhaltigen Tradition deutscher Tisch- und Esskultur kam. Die Basisideen sind dabei zumeist denkbar simpel und wurden dann in einem meist weininduzierten Denk- und Kreationsprozess solange geremixt, bis das Ergebnis ausreichend gastrofunky klang ... wollen wir nun gemeinsam schwelgend durch die einzelnen Gänge tanzen ...

ERSTER GANG: SEKTFRÜHSTÜCK

Basisidee: Frühstücksei

Das Frühstücksei ist für mich ein Inbegriff des Frühstücks hierzulande. Ei - Ein integraler Bestandteil. Und das Ei ist zudem in meiner Wahrnehmung grade unheimlich hip in der kulinarischen Welt - dazu gibt es genau hier auch eine intensive Beschäftigung mit dem Thema Ei.


Im Glas befindet sich ein bei niedriger Temparatur cremig gegarter Dotter (40 Minuten bei 80°C), unter diesem lauern Spinat, Erdnusscreme, ein Hauch Knoblauch und geröstete Pinienkerne - das alles tunkt man mit den krossen Toasstreifen genüsslich zusammen. Zum Frühstück gehört auch Marmelade - die gibt's hier auch in Form einer schön stückigen Zwiebelmarmelade flankiert von Büsumer Schinken.

Hier marschiert übrigens die Zwiebelmarmelade in Reih' und Glied.


Und was kam dazu in's Glas?

Der wunderbare Rieslingsekt von Nägele aus der Pfalz. Ein Sekt spritzig, elegant, frisch und trotz des trockenen Ausbaus mit schöner Frucht - es apfelt leicht und zitroniert zart. Schöner Kickstart in den Abend. Oder den Nachmittag. Oder eben zum Frühstück. Man trinkt ja viel zu wenig Sekt ...

ZWEITER GANG: ERBSESUPP (... und die Prinzessin auf der Erbse)

Basisidee: Erbsensuppe (ach! ... ach was !?)

- ja, doch! Erbsensuppe ist für mich auch ein Klassiker von deutscher Hausmannskost. Sie bringt an kalten Tagen ein Gefühl von Wärme in die Herzen. Sie stärkt nach einem harten Tag auf dem Feld. Und damit nicht genug: schön grün ist sie obendrein! Und grün ist die Hoffnung.


Im Flascherl findet sich die Erbsensuppe, verfeinert mit einem Schuss Gin und einem Hauch Sahne. Daneben entspannen sich kurz in Butter geschwenkte Zuckererbsenschoten auf einem bequemen Kissen aus Hummus - und darauf sitzt die Prinzessin: Eine Jakobsmuschel mit milder Currywürze. Die Curryaromen passen klasse zur Erbse, der Hummus ist fruchtig gehalten und die Orange darin spielt den Zuckererbsen in die Hände, wenn sie welche hätte ... also Hände ...

Und was kam dazu in's Glas?

Der Weg führte hier nach Süditalien, nach Kalabrien, zum Weingut Librandi. Der Critone besteht zu 90% Chardonnay und 10% Sauvignon Ein Rüssel voller exotischer Frucht bringt später auf der Zunge Apfel, Aprikose und ganz zart Mango zum Vorschein, bei stabiler Mineralik. Die mineralischen Noten passen sehr schön zur Erbse und die Frucht gut zu den Currynoten. 

Und by the way: Zuckererbsen sind einfach schöne Schoten!


DRITTER GANG: BAYUVARISCHES 2in1

Basisideen: Weißwurscht, Brezenknödel und Rahmschwammerl

Beim Durchdenken der deutschen Küchenklassiker bleibt es nicht aus, dass man über die bayrische Küche nachdenkt und da ist die Weißwurscht ein Klassiker. Und die klassischen Rahmschwammerl mit  Semmelknödel finden sich auch auf nahezu jeder Wirtshauskarte - und diese Klassiker habe ich zusammen mit Brezen und Senf in einen Hochgeschwindigkeitsauffahrunfall geschickt. Ungebremst.

Heraus kam: Weißwurscht im Brezenknödelmantel auf Speckrahmschwammerl mit einem Schaum aus süßem Senf.


Eigentlich ist die Weißwurscht ja ein Solist, der links und rechts nichts neben sich zulässt und sich dann auch noch die Zickigkeit gönnt nur vor 12 Uhr gegessen werden zu dürfen. Daran kann man sich halten, muss man aber nicht ... und was hier bei diesem Unfall entstand hat seine kulinarische Berechtigung und zeigt: Traditionen sind gut, sie bewusst zu brechen macht aber Spaß!

Und was kam dazu in's Glas?

Hierzu hab es Bier. Das Gourmet-Weißbier von den Weißbierfachleuten der Unertl-Brauerei. Ein würziges Fastenzeitbier, das mit seiner Stammwürze von 13,2% nicht zu malzig gerät und dazu gereichte Gericht schön samtig trägt.

"Gourmet-Weißbier" halte ich ja für einen recht depperten Namen. Da schwingt so was Pseudoelitäeres was mir nicht gefallen will. Aber mei - es ist ein saugutes Bier. 



VIERTER GANG: GESCHMORTES MIT KRAUT UND PÜ

Basisideen: Haxen, Kraut und Kartoffelpüree

Dazu muss man eigentlich nicht viel sagen. Das sind drei Bestandteile der deutschen Küche, die wohl auch in der ganzen Welt mit unserer Küche assoziiert werden. Meine Haxe ist vom Rinde und schmurgelte über 24 Stunden bei niedrigster Hitze in Rotwein, zusammen mit viel Gemüse, Zwiebeln und Knoblauch.


Dazu gesellte sich Speckkraut, kurz angebraten und dann ganz langsam in Gemüsebrühe gegart und zum Ende mit einem wönzigen Schlöckchen Sahne geadelt.


Zur Jahreszeit passend bekam das Pü eine Handvoll Bärlauch mit und wurde mit Bärlauchbutter in die Geschmeidigkeit gestampft.


Und was kam dazu in's Glas?

Wir kommen zurück zu Librandi und schenken den Duca Sanfelice ein. Der 100%ige Gaglioppo ist ein Wein für engagierte Aromologen, denn hier kämpfen beerige Waldfrüchte gegen machinelle Aromen, Leder und Gewürze – und wir sprechen hier nicht von "sowas wie Pfeffer“ – eher Garam Marsala. Fachleute sagen: Geiler Wein! Der Widerspenstige wird von der intensiven Soße mit den Aromen von Knoblauch und FLEISCH gezähmt.

FÜNFTER GANG: KÄSE

Basisidee: Obatzda

Gibt es was käseklassischeres als den cremig-würzigen Obatzda? Und beim Weiterüberlegen kam mir immer wieder "Romadur" in den Sinn. Zu Recht. Auch ein deutscher Käseklassiker. Insgesamt wurde daraus dann ein Romadurkäsewindbeutel an Obatzda mit Brezen-Chip, und begleitend dazu fand sich auf dem Käsetellerchen dann noch ein Trüffelcamembert und ein Bärlauchbergkäse.


Das man mit Brezen-Chips hübsche Türmchen bauen kann ist nur eine kleine aber interessante Randnotiz.



Und was kam dazu in's Glas?

Der Käsebegleitungsklassiker schlechthin, der nebenberuflich allerdings auch als Zigarrenbegleitungsklassiker und Dessertbegleitungsklassiker arbeitet. Ein Süßwein, der links wie rechts kann. Ein großer Tropfen. Der feurige Sizilianer Ben Ryé von Donnafugata. Zibibbo heißt die Traube, angebaut wird sie auf der pittoresken Insel Pantelleria vor Sizilien. Ben Ryé heißt „Sohn des Windes“ – wegen dem sanften Hauch der stetig über Pantelleria weht. Trockenobst, Feige, Honig und Kräuter feiern hier mit den Papillen Party. Genau das stand auch schon beim letzten Einsatzes dieses Killertropfens im Bericht zum ersten SupperClub. Ist bei sich selbst abschreiben auch ein Plagiat?

SECHSTER GANG: GERMAN KLEINIGKEITEN

Basisidee: German Kleinigkeit - das war ein Ausdruck aus der Raffaelo-Werbung. Und ich fand, dass das ein schöner Überbegriff wäre für Miniaturen von deutschen Süßspeisenklassikern. Dass sich, wenn man "German KleinigkeitW googelt auch direkt eine Galeri mit sehr bedingt erotischen weiblichen Oberkörperakten findet, die zum Beispiel Würstel aufgespießt haben ... ist reiner Zufall.

Unter den German Kleinigkeiten kommen hier folgende winzig zusammen: Bayrische Creme (angeberisch auch gerne "Bavaroise" genannt) im Weck-Glas, Miniapfelstrudel mit Cranberries, rote Grütze und ein winziger Gugelhupf.


Die Gugelhupfform schaut besonders ulkig aus, wenn man sie aus Reinigungsgründen auf Links faltet.



Und was kam dazu in's Glas?

SCHNAPS!! Jawoll! Und zwar ein urguter Haselnussschnaps. Und dieser Haselnussschnaps ist nicht nur deshalb toll, weil er mit seltenen 3 s in der Mitte glänzt, nein, er ist einfach ganz fantastisch haselnussig. pures Nutella für Erwachsene. Er nimmt Amaretto in den Schwitzkasten und gibt ihm solange Kopfnüsse, bis der sich selbst nicht mehr schmeckt. So geht Nussschnaps! Vielen Dank an die Brennerei-Fachleute von Liebl im bayrischen Wald.

Ja. Was gibt's sonst noch zu sagen? Mmmh ... Rezepte vielleicht ... ja ... ein paar Rezepte zu den Gerichten werden ganz sicher noch Nachwachsen - ich werde über ihr Erblühen dann informieren. 

Das nächste SupperClub-Thema ist schon beschlossen: Rock&Dine - jeder Gang wird von einem Song, einem Musiker oder einem Rockmusik-Subgenre inspiriert. Der Termin und das Menü sind grade in Arbeit und werden assapissimo kommuniziert.

SupperClub ... to be continued! ... 


Freitag, 26. August 2011

Ja es ist heiß, ja ...


es IST heiß und das ist auch gut so. Ständig über miesen Sommer wettern und dann, wenn das Wetter reagiert und Sommer macht über die "ewige Hitze" mäkeln, das gildet nicht. 

Es gibt kein falsches Wetter, es gibt nur falsche Getränke. Das richtige Getränk zu diesem Wetter ist richtig schön eiskalter Rosé von Librandi oder ein fast gefrorener Rivaner von Clemens Busch ... oder ein prickelnder Sekt von Nägele aus der Pfalz. Und all das gibt es bei uns!

Vorbei kommen, probieren, Sommer spüren!

Und wann?

Am Samstag, morgen, 27.08.2011, haben wir die Pforten weit offen von 11:30 bis 14:00 Uhr.


... achja ... das vinaldische Sommergrillen war auch dieses Jahr wieder ein voller Erfolg, brachte Spaß und Spiel für die ganze Familie und jeder der es verpasst hat, hat vollkommen zu Recht in seinem Lebenskalender der tollen Erlebnisse nun einen weißen Fleck für verpassten Spaß. Wir versuchen aber bald möglichst eventiös gegen weitere Flecken dieser Art zu wirken.

Wir freuen uns auf Euch!

Marc & Christoph