Ich mag ja kleine Schweinereien auf Löffeln. Und ich mag kleine Löffelgrüße bevor es dann mit dem Dinner so richtig los geht. Und weil ich diese Löffeldinger so gerne mag, gibt es jetzt eine neue Serie, die da heißt: "Auf die Löffel!" - also: fertig, los!
Der erste Löffel der Serie: Currywurst mit Pommes. Entstanden bei einem kleinen privaten Dinner bei welchem vorher der initiierende Gast (Servus Claus!) sagte, er hätte total gerne etwas fastfoodiges mit dabei, nur eben anders. Aber gerne!
Heraus kam dieser kleine Gruß aus der Küche.
Ein Rad gebratene Wurst, darauf ein Klacks CurrySoße aus getrockneten Tomaten, Garam Masala und einer selbst gemachten BBQ-Soße, bestäubt mit Garam Masala Pulver - darauf eine Pommes aus Selleri, im Tempurateig ausgebacken - gekrönt mit einem Klacks Trüffelmayo.
Bis zum nächsten Löffel!
Donnerstag, 18. Juni 2015
Montag, 15. Juni 2015
Retroschmecktive - Vom Leder
Und der Auftakt dieser Veranstaltungsreihe des Kochkollektivs KemmlerChristian fand nun statt: Vom Leder.
Die ungewöhnliche Umgebung war die wunderschöne Lederwerkstatt von Caroline Antonetty in der Klenzestraße und wir haben uns bei der Zusammenstellung von Menü und Texten breitseitig von der Aura dieses Raums inspirieren lassen.
Vielen Dank, liebe Caro, für die Überlassung des Raums, das Vertrauen in den MEATINGRAUM und die faszinierenden Geschichten über Häute aller Art, die du vom Leder gelassen und in Hände gegeben hast. Danke auch an alle Gäste, die mutig dieser besonderen Premiere beiwohnten!
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| Die fabelhafte Ladenwerkstatt von Caro. |
Das Menü
Aperitif und Snack
Als Stimmungsaufheller zum Start gibt es einen schönen Prosecco und zu diesem ragen Knusperstangen aus Gläsern, die in FrischkäseDipps gedippt werden dürfen. Aber damit noch nicht genug - ergänzt wurde der Auftakt mit einem Löffel.
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| Liebevolles Löffelbereiten |
| Löffelreigen |
| Startlöffel: gebratener Kräuterseitling, Speckreduktion, Wachtelei, Croutons |
Die Lederinspiration findet sich zum einen im Pilz - wird der falsch zubereitet, dann ist er furchtbar ledrig (hier dankenswerterweise nicht geschehen). Zum anderen soll die Soße in ihrem Aroma und ihrem Duft an Leder erinnern.
Taschen & Beutel
(Tomatenleder, Mozzarella & Taschenkrebs, Maultasche)
Der erste Gang wird zweigeteilt aufgetischt.
Es beginnt mit einer Variation des klassischen Caprese Salates, also Tomate und Mozzarella. Die Tomate kommt in Form eines Tomatenleders.
Bei dem Tomatenleder handelt es sich um eine getrocknete Mischung aus Tomatenmark, pürierten Tomaten, Olivenöl, Basilikum, Pfeffer und Salz - es fasst sich ledrig an - und es schmeckt unendlich tomatig. Tomatenleder ist vegan!
Danach wurde es taschig und in die Suppenteller kam ein TaschenkrebsSüppchen mit einer TaschenkrebsMaultasche, der Füllungskrebs hatte noch Gesellschaft von Ricotta und Safran, als Einlage.
Dazu beutelt es im Glas mit einem Steillagenriesling aus der Lage Eschendorfer Lump, ein Frankenwein, der traditionell im Boxbeutel eingeflascht wird.
Gegerbt & Gebeizt
(Lachs, Rhabarber, Ziege, Bohnen)
Das nächste kulinarische Dyptichon fusst auf zwei Inspirationssfüßen: Da hätten wir zum einen die Techniken, die angewandt werden, um das harte Leder geschmeidig zu machen - gerben und beizen. Und zum anderen begeben wir uns nach Südamerika, wo die cowboyartige Arbeit mit großen Herden und der Bezug zu Leder und Fleisch viel tiefer verwurzelt ist im Alltagsleben, als das bei uns der Fall ist.
Der kulinarische Dialog: In der linken Ecke haben wir Ceviche, eine Spezialität, die ursprünglich aus Peru kommt. Es handelt sich dabei um in Limettensaft marinierten Fisch. Chemisch gesehen kommt es aufgrund der in den Limetten vorhandenen Zitronensäure zu einer Denaturierung des Eiweißes, ähnlich wie beim Kochen. Zu dem Fisch, in unserem Falle ein schottischer Wildlachs, kommt Petersilie, Paprika, rote Zwiebeln und Chili. Das ist frisch, sauer und schmeckt nach Sommer.
| Ceviche von ganz nah. |
In der rechten Ecke haben wir Rips von der Ziege, lange gegart und frisch glasiert, auf einem BohnenTomatenSalat mit Koriander. Die Ziege ist enorm wichtig für die Lederindustrie, da sie ein schön stabiles und gleichzeitig geschmeidiges Leder bringt. Und auf dem Teller kann sie auch was. Fingerlickin' good.
| Bohnensalat und Ziege. |
Die Ziege ist süßlich gehalten. Das Ceviche sauer. Gegensätze ziehen sich an - die beiden könne kaum voneinander lassen.
Dazu ins Glas kommt ein Kultgetränk aus Patagonien - der PiscoSour. Pisco ist ein hochprozentiges Destillat aus Trubenmost.
So so macht man diesen frischen Sommerdrink:
6 cl Pisco
3 cl Limettensaft
1,5 cl Zuckersirup
1 Eiklar
1 Dash Angostura Bitter
Alles zusammen mit dem Zauberstab aufschäumen und auf Eiswürfel gießen. Der Purist krönt das ganze dann noch mit einer Prise Zimt.
Skin & Head
(Schwein, Lachshaut, Seeteufel, Erbsen, Ingwer, Pü)
Vollkommen unpolitisch ehren wir in einem weiteren Dyptichon die Haut und den Kopf, an dem die Haut ja letztendlich festgemacht ist, irgendwie. Und wir bringen Fleisch und Fisch zusammen. Wie wir in dem Laden dann von Caro erfahren wird auch aus Fischhäuten Leder hergestellt. Wir bekommen Beispiele zum anfassen und sind erstaunt und begeistert über die Haptik und die ästhetische Anmutung von Fischleder.
Auf dem Teller jetzt haben wir: Schweinebacke, butterzart gegart in einem mediterran-asiatischen Sud gekrönt mit einer sagenhaft krossen Lachshaut und begleitet von einem KartoffelIngwerPü - dieser Komposition gegenüber stehen Backen vom Seeteufel auf einem ErbsenWasabiPü, gekrönt von krossem Bacon (denn alles ist besser mit Bacon). Eine intensive Soße, reduziert aus dem Su, bringt beides zusammen und vermittelt bilateral.
| Skin & Head |
Dazu ins Glas: Der Duca Sanfelice.
Der Duca Sanfelice ist kein einfacher Wein. Kommt aus Kalabrien vom Weingut Librandi. Er ist leicht verstörend mit komplizierten Aromen, die ein Verkoster mal sehr passend beschrieb mit "Schmeckt so, wie die uralte Nähmaschine von meiner Oma riecht" - und das stimmt. Er hat was maschinelles, öliges, technisches - aber gleichzeitig eine spannende Tiefe und einen ungewöhnlichen Schmelz. Unbekannte Gaumeneindrücke, die die autochtone Gaglioppo-Traube hier hervor ruft. Ein Wein, durchaus auch geeignet für Psychopathen oder solche die es werden wollen. Und zu ledrigen Aromen und diesem komplexen Dyptichon passt er hervorragend.
Hare Kürschner
(indischer Kürschkuchen, Kürschwasser, Kürschsorbet)
Eine exotische Minderheit an phantasiebegabten Sprachforschern, hauptsächlich aus mir selbst bestehend, ist sich nach eindringlicher Introspektionsanalyse so gut wie sicher, dass das Wort „Kürschner“ von „Kirschkern“ kommt.
Die Verbindung ist klar und liegt auf der Hand. In früherer Zeit wurde in den Kirschregionen der Steiermark nämlich versucht, das zähe Leder so zu erweichen, indem man es mit hohem Druck mit Kirschkernen bespuckte. Nach zig tausenden von mit Druck gespuckten Kernen war das Leder weich und konnte weiter verarbeitet werden.
Der Kürsche und der Kirchernerei, oder umgekehrt, huldigen wir im letzten Gang in einem letzten Duett. Einem Trifle a la Schwarzwälder Kirsch mit einem indischen Einschlag und einem KürschSorbet mit einer Nappierung Lemon Curd.
Im Glas gestapelt sind eingekochte Sauerkirschen mit einem Schuss Kirschwasser, ein zarter Brownie mit einem Hauch Garam Masala und eine Creme aus Sahne, griechischem Joghurt, Zitronenzesten, Vanillezucker und Tonkabohne. Als
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| Trifle, Sorbet und süßer Sprudelsein - auf Rochenleder. |
Kollege Kemmler erfreute mit Haiku-artigen Gedichten. Haiku-artig, weil sie zwar Haiku-kurz und mit einer vielbödigen Subtextualität mit Moral, Humor und Tiefe versehen waren, aber sich nicht an die Haiku-Silben-Regel, nach welcher die erste Zeile 5, die zweite 7 und die dritten wieder 5 Silbe aufweist (eigentlich keine Silben, sondern sogenannte Moren ... aber das würde uns jetzt zu sehr in die Tiefen der Sprachwissenschaft führen). Also etwa so, zur Beschreibung des Abends:
Leder umgeben
Von unter der Haut, zurück
Unter die Haut
Ja, das ist nicht ganz einfach, aber dafür kurz, tief und elyptisch.
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| Herr Kemmler als Raconteur im Haiku-Modus, Herr Christian lauscht. |
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| Herr Christian liest ein Märchen über die Kürschnerei, Herr Kemmler trinkt. |
Wir freuen uns auf noch viele kommende Veranstaltungen - alles neue ab jetzt immer hier und über unsere frisch eingerichtete und nigelnagelneue Facebookseite. Folgt dieser. Abonniert sie. Kommentiert und tragt euch ein. Hurra!
Bis bald!
Donnerstag, 11. Juni 2015
Coole Geschichte - Verpackungsfreier Supermarkt
Endlich!
In Berlin gibt es das ja schon - den verpackungsfreien Supermarkt.
Das soll jetzt auch nach München kommen und OHNE heißen. Top Name! Neben der Verpackungslosigkeit sollen die Lebensmittel, die man kaufen kann auch noch lokal und bio sein. Das gefällt mir und das finde ich unterstützenswert.
Modern wie die Idee ist auch der Finanzierungsansatz über Crowdfunding.
Mehr Infos dazu gibt es hier:
Gefällt mir!
Labels:
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OHNE,
regional,
Verpackunsglosigkeit
Montag, 8. Juni 2015
Neue Veranstaltungen im Juni und im Juli
Aloha!
Im Juni und im Juli wollen wir uns verstärkt dem unterwöchigen AfterWorkAmusement widmen und haben da gleich 3 Veranstaltungen im Gepäck.
ERSTE VERANSTALTUNG
Wir starten mit dem MEATINGRAUM - After Work BBQ - am 24.06.2015.
Eine Mittwochsveranstaltung. Der Mittwoch wird im Sommer noch mehr zu dem, was sonst der Donnerstag ist - die Vorfreude auf das Wochenende beginnt unter der Kopfhaut zu kribbeln. Man sieht es schon - aber es ist noch ein Stück weg.
Mit diesem Event strecken wir dem Wochenende beide Hände entgegen, feiern das bereits geschaffte und freuen uns auf den Endspurt.
Bei dieser Veranstaltung wird gegrillt. Ohhh ja!
Es gibt ein viergängiges Menü vom Grill, darunter den smokey classic Pulled Pork mit Cole Slaw. Zudem wursten wir selbst und wir wissen wie man wurstet - nämlich bewusst! Gewusst, wie man bewusst wurstet! Aus den Erfahrungen der Studien des österreichischen Paralleluniversums servieren wir stolz und als absolut erste und einzige in dieser Galaxis: Eitrige Röhrwolflinge!
Außerdem: Gegrillte Desserts, vegetarische Grillschmankerl, Long Drinks all night long, Craft Beer undundund!
... 45 Öcken Unkostenbeitrag für HighEndFleisch, SalatArt und alle Begleitsüffelei ...
Klick hier um zuzusagen!
Der Veranstaltungsort wird noch bekannt gegeben.
Start: 19:00 Uhr
ZWEITE VERANSTALTUNG
10.07.2015 - VEGI TGIF
Thank God, it's Friday. TGIF! Und man kann nicht besser in ein Wochenende starten als mit einem SupperClub schon am Freitag! Das wurde in jüngsten SupperClubStudien von amerikansichen Forschern fast eindeutig belegt.
Der erste TGIF SupperClub ist vegetarisch und steht unter dem Motto "Melonisierter Cucumbrismus" - und ja, dabei geht es ganz besonders um Melonen und Gurken - hier das Menü (voraussichtlich):
Ihr braucht motivierende Fotos?

Leichte Sommerküche, frische Getränke zu jedem Gang, ein zarter Lufthauch umschwölbt den Rüssel! Mmmmmhh! Nichts wie hin!!!
Unkostenbeitrag: 45 €. Es darf aufgerundet werden :-)
Location? Kommt mit der Zusage!
Anmelden geht ganz leicht - einfach HIER klicken!
Start: 19:00 Uhr
DRITTE VERANSTALTUNG
17.07.2015 - KARNIVOR TGIF
Thank God, it's Friday. TGIF! AGAIN!! Juchhee!
Beim zweiten TGIF SupperClub geht es um leichte Sommerküche, vom Feld, aus dem Beet, aus Meer, Fluss und See und von der Weide. Leichte Küche, passendes Gesüffel - achja ... die Seele findet Frieden.
Es wird ein viergängiges Dinner gereicht - vorab Aperitif und einen einleitenden Begrüßungssnack. Das genaue Menü folgt in den nächsten Tagen. Die Location - kommt mit der Zusage - und zusagen kann man mit ner Mail.
Start: 19:00 Uhr
Die Vorfreude ist riesig! Kommt in Scharen - es wird riesig!
Im Juni und im Juli wollen wir uns verstärkt dem unterwöchigen AfterWorkAmusement widmen und haben da gleich 3 Veranstaltungen im Gepäck.
ERSTE VERANSTALTUNG
Wir starten mit dem MEATINGRAUM - After Work BBQ - am 24.06.2015.
Eine Mittwochsveranstaltung. Der Mittwoch wird im Sommer noch mehr zu dem, was sonst der Donnerstag ist - die Vorfreude auf das Wochenende beginnt unter der Kopfhaut zu kribbeln. Man sieht es schon - aber es ist noch ein Stück weg.
Mit diesem Event strecken wir dem Wochenende beide Hände entgegen, feiern das bereits geschaffte und freuen uns auf den Endspurt.
Bei dieser Veranstaltung wird gegrillt. Ohhh ja!
Es gibt ein viergängiges Menü vom Grill, darunter den smokey classic Pulled Pork mit Cole Slaw. Zudem wursten wir selbst und wir wissen wie man wurstet - nämlich bewusst! Gewusst, wie man bewusst wurstet! Aus den Erfahrungen der Studien des österreichischen Paralleluniversums servieren wir stolz und als absolut erste und einzige in dieser Galaxis: Eitrige Röhrwolflinge!
Außerdem: Gegrillte Desserts, vegetarische Grillschmankerl, Long Drinks all night long, Craft Beer undundund!
... 45 Öcken Unkostenbeitrag für HighEndFleisch, SalatArt und alle Begleitsüffelei ...
Klick hier um zuzusagen!
Der Veranstaltungsort wird noch bekannt gegeben.
Start: 19:00 Uhr
ZWEITE VERANSTALTUNG
10.07.2015 - VEGI TGIF
Thank God, it's Friday. TGIF! Und man kann nicht besser in ein Wochenende starten als mit einem SupperClub schon am Freitag! Das wurde in jüngsten SupperClubStudien von amerikansichen Forschern fast eindeutig belegt.
Der erste TGIF SupperClub ist vegetarisch und steht unter dem Motto "Melonisierter Cucumbrismus" - und ja, dabei geht es ganz besonders um Melonen und Gurken - hier das Menü (voraussichtlich):
Aperitif und KüchenServus
1. Gang: TatarDuett
2. Gang: Cucumbral gesuppt
3. Gang: MelonenSteak und GurkenSchiff
4. Gang: Gurke und Melone tun Erwachsenensachen
Ihr braucht motivierende Fotos?
Unkostenbeitrag: 45 €. Es darf aufgerundet werden :-)
Location? Kommt mit der Zusage!
Anmelden geht ganz leicht - einfach HIER klicken!
Start: 19:00 Uhr
DRITTE VERANSTALTUNG
17.07.2015 - KARNIVOR TGIF
Thank God, it's Friday. TGIF! AGAIN!! Juchhee!
Beim zweiten TGIF SupperClub geht es um leichte Sommerküche, vom Feld, aus dem Beet, aus Meer, Fluss und See und von der Weide. Leichte Küche, passendes Gesüffel - achja ... die Seele findet Frieden.
Es wird ein viergängiges Dinner gereicht - vorab Aperitif und einen einleitenden Begrüßungssnack. Das genaue Menü folgt in den nächsten Tagen. Die Location - kommt mit der Zusage - und zusagen kann man mit ner Mail.
Start: 19:00 Uhr
Die Vorfreude ist riesig! Kommt in Scharen - es wird riesig!
Labels:
After Work,
Alternativ Essen,
BBQ,
Essen gehen,
Event,
Kulinarik,
Marc Christian,
meatingraum,
München,
Supperclub,
Sven Kemmler
Sonntag, 31. Mai 2015
Retroschmecktive: Austria in a Parallel Universe
Was für ein aufregender und spannender Abend. Kulturinarik in einer neuen explorativen Form. Eine Grenzerfahrung.
Sven und ich sind eingetaucht in ein ganz neues gastrosophisches Feld. In klassische Gerichte der österreichischen Küche, die es nicht gibt. Kultgerichte der Inexistenz. Jaja ... "Was rauchen die beiden für Zeug?" Werden Sie denken ... oder "Was immer die nehmen, sein lassen oder Dosis erhöhen!"
Das könnte man meinen. Aber, erlauben Sie einen Erklärungsversuch. Beim brainstormen zu einem kulianrischen Event kamen wir plötzlich auf sehr lecker klingende Neologismen (wie zum Beispiel "Grazer Gwamperte"), auf Wortneuschöpfungen, die so vertraut klangen, dass wir uns gewundert haben, dass es diese nicht gibt. Aber es klang gut und lecker ... und da dachten wir uns - und dabei begeben wir uns in die Tiefen der experimentellen Physik, wenn es sie hier bei uns nicht gibt, diese Gerichte, dann spricht aber ja gar nichts dagegen, dass es sie in einem parallelen Universum sehr wohl als klassische Gerichte auf den Karten der Restaurants gibt.
In diese Idee haben wir uns verknallt und immer weiter rein gesteigert, bis wir dieses Menü beisammen hatten.
Jeder Gang, ein Klassiker in einer parallelen Welt des endlosen Multiversums - und zu den Gerichten gibt es kurz die Endstehungsgeschichten und parallelhistorischen Ursprunsgmythen.
Kommen sie mit auf eine nachschmeckende Reise durch die Dimensionen von Raum und Zeit. Physik in seiner leckersten Form. Multiversumität mit einem endlich praktischen Nutzen. Hurra!
VIELEN DANKE LIEBE GÄSTE! Danke, dass ihr bei dem Unsinn dabei ward und hoffentlich Spaß hattet an den Texten, Texturen, Gerichten und Getränken. Kommt gerne wieder - ihr ward super!
Wir beginnen mit einem Aperitif und einem Servus aus der Küche.
Ein Brauser ist im Universum nebenan immer etwas, das mit
Sekt übergossen wird. Beim Tiroler Erdbeerbrauser wird ein ErdbeerwodkaSorbet
mit Sekt überschüttet, was dann auch wieder schön national nach Fahne ausschaut.
Neben Erdbeeren überbraust der Tiroler auch sehr gerne Birnen, Äpfel, insgesamt Beeren aller Art und, so bizarr es klingen mag, in manchen Regionen Fleischwurst mit Perlzwiebeln.
Im Erdbeerbrauser spiegelt sich im Wodka die tiefe Verbundenheit mit der russischen Geschichte wieder, die sich auch in späteren Getränken findet. Im Universum nebenan sind im Laufe der sich entwickelnden Historie, die Seelen der beiden Länder eng miteinander verbunden bis zum heutigen Tage.
Das Detscherl an sich gehört zu der Familie der Verhackten Wamperln. Ja. Nur sind sie eben deutlich kleiner! Ein Detscherl entspricht in etwa dem Viertel eines regulären Wamperl. Das Wamperl heißt auf unserer Seite „Laiberl“ und „Verhacktes“ nennt man hier „Faschiertes“ – das „Verhackte Wamperl“ ist also ein „faschiertes Laiberl“ und das wäre wiederum ausgedeutscht je nach Region: Bulette, Frikadelle, Fleischklops, Fleischpflanzerl, Fleeschkiechelsche, Fleischküchlein oder Hackhuller (doch! Thüringen! ... also in manchen kleinen Orten dort ... angeblich ...). Wamperl mag jeder! Das ist eine Grundkonstante des Multiversums. Es gilt als erwiesen, dass Menschen, die Buletten kategorisch ablehnen, gefährlich sind und man ihnen nicht trauen kann. Detscherl gibt es drüben traditionell vom Zwerghupf (aka Kaninchen). Der Zwerghupf bekommt Gesellschaft von Schweinefleisch (nennt man nebenan auch Angrunz), damit die Geschichte etwas saftiger wird.
| Detscherl |
| Der Servus-Löffel |
Die Geschichte der Thaierspeis im Kuhbachl geht zurück ins 14. Jahrhundert. 1315 brach der österreichische Forschungsreisende Erwin Polo, dessen Bruder Marco nach Venedig ausgewandert war, vom Semmering auf, um den Landweg zum Fujiyama zu finden, weil er in einer populären Skipublikation gelesen hatte, dass es dort ein Skigebiet gäbe, dass die Kitzbühler Streif wie einen Babylift wirken lässt.Viele, viele, VIIIIELE spannenden Abenteur sind ihm auf seinem Weg zugestoßen bis er schließlich versehentlich hinter Indien zu früh links abbog und im Königreich Siam landete. Müde von der Reise fragte er nach einer Rindssuppe, die ihm wieder Kraft geben sollte - und was er da als kraftspendende Brühe erhielt war eine so epiphane Genusserfahrung, dass er seine Suche nach dem Skigebiet aufgab und sich fortan dem Suppenstudium widmete. Und nicht nur das - er begann auch die klassische "Eierspeis" (= das Rührei) mit gänzlich anderen Augen zu sehen.
Zurück von seinen Reisen brachte er diese Suppe in seiner Wiener Heimat und sie revolutionierte die Art des Frittatengenusses nachhaltig. Außerdem erweiterte er die Welt der Eiergerichte um seine Thaierspeis, die das gemeine Rührei in neue Sphären hob. Erwin Polo lebt als erfolgreicher Suppenkoch bis er jäh aber froh an Grünem Veltliner verstarb.
| Thaierspeis im Kuhbachl mit Oxenbacken, Nussfrittaten und Koriander |
Erwin Polo zur Ehr' begleitete dieses Gericht ein Grüner Veltliner von Loimer.
Die Schweine in der Stadt Patsch kurz vorm Brenner gelten
als besonders schmackhaft. Besonders das Wanstel, der Schweinebauch. Das hängt
sehr eng mit Äpfeln zusammen, denn die Region rund um Patsch ist DIE
Apfelregion des Landes. Das wissen auch die Schweine und ernähren sich
vornehmlich von Äpfeln. Viele Bauern verfüttern an ihre Schweine auch die Reste
vom Apfeltrester, der bei der Schnapsbrennerei übrig bleiben – das sorgt dafür,
dass die Patscher Schweine, die mit großem Abstand entspanntesten Viecher weit
und breit sind.
Die Patscher Variante der Zubereitung des Wansterl ist
aufwendig und einzigartig. Das Patscher Wanstel wird über mindestens 48 Stunden
vakuumiert und bei 63° im Wasserbad gegart und kommt dann unter den Grill – es
wird serviert auf in Apfelschnaps (Brenner) und Chili karamellisierten
Apfelstücken.
Dazu gibt es panierte frittierte Selleriepommes und panierte Blunzen, die auch im Universum nebenan Blunzen heißen, weil
das einfach der allerbeste Name für Blutwurst ist. Panierte Beilagen sind den Österreichern
sehr wichtig und der Österreicher gilt als der einzige Mensch weltweit, der bis
zu dem doppelten seines Gewichts an frittierter und panierter Nahrung aufnehmen
kann. ApfelKren rundet die Sache geschmacklich elyptisch ab.
Die historische Gastrologie des Gerichts lässt sich zurückverfolgen bis in die Zeiten Hannibals ("Der Karthago-Hansi" - so nennt man ihn im Universum nebenan ...) - aber das führt an dieser Stelle zu weit.
| Bildschön: das butterzarte Wansterl, Blunzen, Äpfel, knusprige SelleriePommes und Apfelkren |
Dazu trinkt sich hervorragend ein Cider. Apple to Apple!
Die Geschichte des Hesslichen Taflatschek ("hesslich" kommt von "hessisch" - das "l" ergibt sich durch eine hierzulande unbekannte Lautverschiebung der vierten Ordnung) beginnt im Jahre 1787, als Goethe auf dem Weg zu seiner Italienreise in Wien Station machte, um ein Frauenzimmer zu besuchen. Das fand geschichtlich dokumentiert leider nur im Paralleluniversum nebenan statt.
Goethe reiste NIEMALS ohne einen Vorrat seiner geliebten Grie Soß (= Grüne Soße), um auch unterwegs, alles, was ihm aufgetischt wurde im degustatorischen Notfall mit der Soß aufwerten zu können – er pflegte zu sagen: „Fürwahr ned schlecht, awwa mit me Dibbe Grie Soß wä die Geschicht no ä bissi bässä!“.
Auf dieser Reise begab es sich, dass das Rad seiner Kutsche einen steininduzierten Speichenbruch erlitt und er am Wegesrand sitzend auf das Eintreffen des ADAC, des Austria Droschken und Abdecker Clubs, zur Reparatur des Schadens wartete. Einer der Vorbeikommenden war der fahrende Delikatessenhändler Flatschek, der, ganz Geschäftsmann wie er war, dachte, dem gut gekleideten Mann am Wegesrand eine teure Mahlzeit verkaufen zu können. Er führte seine Delikatessen vor: Vadratschecken aus Linz, Utschgaflotz aus Tirol und Wiener Tafelspitz. Das rosa gebratene Fleisch zog sofort Goethes Aufmerksamkeit auf sich, der Geheimrat probierte und sagte: „Fürwahr ned schlecht, awwa mit me Dibbe Grie Soß wä die Geschicht no ä bissi bässä!“.
Das war die Geburtsstunde des Hesslichen Taflatscheks.
Die Krulljonger Kracherl sind in Bouillon vorgegarte Kartoffeln, die dann in der Pfanne ausgebraten werden und Gesellschaft von Zwiebeln und Bouillon-Gemüse erhalten. Ein Gericht, das im Wien nebenan gerne zu Würschtel am Standl serviert wird und populärer ist als die Pommes bei uns.
| Der Hessliche Taflatschek, grüne Soße, Kracherl und ein Salat von Cornichons und Perlzwiebeln. Eh! |
Dazu kommt eine voluminöse Doppelmagnum des bekannten RED von Heinrich auf den Tisch. Eine klassische Ösi-Cuvée aus Blaufränkisch, Zweigelt und St. Laurent.
Nipponatschn sind eine Folge der tiefen Völkerfreundschaft
aus Japanern und Österreichern, die ihren Ursprung 1924 in einem diplomatischen
Treffen zwischen dem japanischen Ministerpräsidenten Katō Takaaki und dem
österreischichen Bundespräsidenten Michael Arthur Josef Jakob Hainisch fand.
Die beiden kamen nach einer ganzen Reihe genossener Rückwärtsgwandter mit
russischem Schuss (siehe unten!) zu dem Schluss, dass ihre beiden Flaggen eigentlich genau die
gleichen war, wenn man mit dem richtigen Pegel nur richtig drauf schielt und
sich dabei schnell um die eigene Achse dreht. Aus diesem legendären Treffen
entwickelte sich nicht nur eine tief verwurzelte Männerfreundschaft sondern
auch ein reger kulinarischer Austausch zwischen den beiden Ländern.
Die beiden Staatslenker waren nicht nur Staatsmänner,
sondern, wie sich auch bei diesem legendären ersten Abend schon heraus stellte,
beide begeisterte Hobbybäcker. Der Legende nach ist dieses Gericht, das heute
zu den absoluten Klassikern zählt, bei einer gemeinsamen Backaktion entstanden,
bei welcher die beiden Löffelschwinger schwer beschwingt munter den Strahl
ihrer Aromen kreuzten.
So entstanden die Nipponatschen: Maronenpalatschinken mit
Sake, gefüllt mit einer Creme, aromatisiert mit grünem Tee und Haselnuss.
Natürlich gratiniert.
Die Tennerl sind ein noch älteres Produkt der ösipanischen Freundschaft - das sieht man auch schon in den etymologischen Wurzeln des Wortes - da drin stecken: Tenno (so nennt man ja den japanischen Kaiser), Tarte und Nockerl. Der Name des ursprünglichen Gerichts war "Tarte für den Tenno mit VanilleSchlagnockerl" was sich im Laufe der Zeit zu einem schlichten "Tennerl" vereinfachte und verkürzte. Die Endstehungsgeschichte ist spannend und überraschend und wer diese wissen will, der muss sich entweder melden oder beim nächsten Paralleluniversumsevent dabei sein.
| Nipponatschen (links), Tennerl (rechts), SakeEspuma und Nockerl |
Zu diesem Dessert trinkt man traditionell einen Rückwärtsgwandten mit russischem Schuss
Dabei handelt es sich um eine altwiener Kaffeespezialität, in welcher sich die Geschichte spiegelt. Der Kaffee wird mit türkischen Kaffeegewürzen verfeinert, welche an die Zeit erinnern, als bei der Belagerung Wiens die Türken geschlagen wurden.
Im Universum nebenan wurde dieser Konflikt damals durch ein Duell gelöst – ein Duell im Kaffeetrinken, bei welchem die Kontrahenten abwechselnd einen Mokka tranken und danach einen Faden in eine Nadel fädeln mussten. Der Kaffee wurde dabei von Tasse zu Tasse stärker und Nadelöhr und Faden immer kleiner. Es traten an: Der osmanische Meister im Kaffeetrinken Onur „die Bohne“ Khan gegen den ständig bei der Wache einschlafenden Dragoner Franz „Gähn“ Esterhazy.
Vollkommen erwartet für die Österreicher gewann Franz souverän, Onur wurde geköpft und Wien war frei. Der Bezug zur russischen Geschichte findet sich wieder in einem munteren Schuss Wodka und der sibirischen Reminiszenz der kalten Servierung. Die Haube aus Schlagobers symbolisiert den Schnee des kalten Winters in der Taiga.
Untermalt wurde dieser Abend von einer liebevollen Zusammenstellung östereichischer Populärmusik.
Bis demnächst - irgendwo im kulinarischen Multiversum!
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