Donnerstag, 18. August 2016

Retroschmecktive: Oh!Bergine!

Gestern war VeganWednesday im MEATINGRAUM mit dem saisonalen Thema: Aubergine!

Die Idee des VeganWednesday (immer am dritten Mittwoch im Monat) ist für uns, sich von der omnivoren Zutatenfreiheit zu lösen und sich klare Grenzen zu setzen. Das ist gut für die Kreativität. Outside the box und so. Außerdem sind wir ja prinzipiell und generell für einen reflektierten und vernünftigen Konsum, also per se gegen Massenproduktion - und da erweitert die Beschäftigung mit veganer Küche schlichtweg das Handwerkszeug - und wir featuren dabei immer Gemüse und Obst der Saison.

Hätte ich im Vorfeld gar nicht so erwartet, dass sich an der Aubergine so die Geister scheiden und es da draußen in der Welt so viel Ich-mag-keine-Auberginen-Menschen gibt und das auch und gerade unter Vegetariern und Veganern. Man könnte fast sagen: Was dem Fleischesser die Innerei ist dem Pflanzenesser die Aubergine.

Icke jedenfalls bin rundum Auberginist und mag das Gemüse in seiner vielfältigen Ganzheit. Wobei ich die Aubergophobiker und -skeptiker schon auch verstehe. Geht man mit der Eierpflanze falsch um, kann man da schwer zu mögende Fettlappen, bittere Zähigkeiten und furztrockene Kauherausforderungen zammdilettieren, ganz nach Art des individuell-auberginellen Versagens.

Behandelt man die Melanzani aber richtig, dann ist sie eine Königin unter den Gemüsen, vielfältig, variantenreich, überraschend und schmackofatz. Ich hoffe, dem Herrn Kemmler und mir sind in dieser Runde des veganen Mittwochs entsprechend leckere Kreationen geglückt. Wir hatten jedenfalls einen wundervollen Abend, besonders und auch wegen den großartigen Gästen, darunter viele Erstkostgänger, die im Angesicht der Eggplant im MEATINGRAUM premierten.

Schaumer doch mal kurz rein, was es so gab.

MEATINGRAUM - Kulturinarik und Gastrosophie
Alles Aubergine - Multiple Auberginismen
Wir starten mit einem BrombeerGinTonic, um den Gaumen zu lockern und den Kiefer zu entspannen. Die Brombeere gilt ja in Fachkreisen völlig zu recht als die Aubergine unter dem Obst und das stellt sie durch ihre Farbe auch ungefragt unter Beweis. Zudem ist dieses Getränk, grade im Zuge der allgemeinen Klimaerwärmung, ein Akt der bewussten Malariaprophylaxe. Biddeschön!

Zum Aperitif winken wir einen kleinen Gruß aus der Küche, nämlich diesen hier:

Krosstini (besonders kross) mit AuberginenKaviar, umwerfenden Zwiebeln und AuberginenChip
So vorgestärkt sind wir nun bereit für den ersten Gang. 

Der Imam trifft seinen japanischen Kumpel. Und Bohnen.

Ein Klassiker der türkischen Küche heißt Imam Bayildi (= Der Imam fiel in Ohnmacht). Dabei handelt es sich um eine sehr leckere gefüllte und überbackene Aubergine mit jeder Menge Gemüse und einem Hektoliter bestem Olivenöl. Seinen Namen hat das Gericht wohl daher, dass der Imam, der dieses Gericht probierte vor Verzückung (Überfressung?) umkippte. Verständlich, denn es ist wirklich ein Papillentango, der da abgetanzt wird.

Der japanische Kumpel orientiert sich an einem japanischen Rezept für süße Knoblauch Auberginen. Das Rezept wird sicher auch noch seinen Weg in ein Video finden - da aber grade zu den japanischen Auberginen sehr lauter Esserjubel durch die MEATINGRAUM-Hallen brandete, folgt nun in aller Kürze das Rezept in schnell!

Zutaten (für 2 bis 4 Personen)

2 große Auberginen
2 Knoblauchzehen (für Freunde der gesunden Knolle auch gerne 4)
4 EL Zucker
Helle Sojasoße
Helle Misopaste
Sake
weißer Sesam
1 weiße Zwiebel
Sesamöl, Olivenöl, Ghee (wenn es nicht vegan sein muss)
Salz

So geht's
  • Aubergine mit Sparschäler schälen und in gleichmäßige Quadrate schneiden (ca. 1,5 cm Kantenlänge)
  • 1 El Misopaste mit ca. 100 ml Sake vermischen und die Auberginen damit marinieren
  • 1 Tl Sesamöl mit 1 EL Ghee (wenn es nicht vegan sein muss - sonst Olivenöl) in die Pfanne und 2 El Zucker dazu geben. Zucker schmelzen lassen
  • Auberginen dazu und einmal durch den Zucker schwenken
  • mit mittlerer Hitze ca. 10 Minuten anziehen lassen
  • Knoblauch, 2 EL Sojasoße und Zwiebeln dazu
  • Bei mittlerer Hitze weitere 10 Minuten garen
  • 2 EL Sesam und einen weiteren EL Zucker dazu, schwenken und weiter garen bis die Flüssigkeit in der Pfanne weg ist. Die Auberginen sind dann außen leicht gebräunt und innen schön weich (ca. weitere 15 Minuten).
  • Evtl. mit Salz und etwas Zucker abschmecken.
Unsere Version der Imam-umhauenden Auberginen
Im Uhrzeigersinn beginnend unten Links: Japan, Imam, Bohnen
Dazu trinken wir die ambitionierte WeißweinCuvée Kopfstand vom Bioweingut Lorenz. Passt wunderbar zu dem was auf dem Teller passiert. Viel Frucht und dazu eine frische, aber verhaltene Säure, die trotzdem die Opulenz der Speisen gut im Griff hat.

Es geht fernöstlich weiter im zweiten Gang.

AuberginenCurry an schwarzem Reis

Nicht weniger als 4 Sorten Auberginen tummeln sich in diesem ThaiCurry. Kleine gelbe und weiße, Erbsen-Auberginen ... und andere kleine Auberginen. Dazu noch ein bisserl Fenchel und einen schönen Bäng Chili. Dazu ein schön nussiger Reis.

AubeiThaiThai mit scharf und Kräutern
Dazu  gibt es die rote Cuvée aus Zweigelt und Blaufränkisch aus dem Offspring-Label von Lisa Pfneisl. Viel beerige Frucht und eine schöne Säure begleiten flankierend den nussigen Reis und hüpfen um die CurryCremigkeit. Das macht Spaß. 

Nahtlos gehen wir in Sachen Wein weiter zu dem wirklich hervorragenden reinsortigen Merlot, ebenfalls aus der Pfneislschen Offspring-Kollektion. Tief dunkel und fast ein bisserl interhältig dreckig im Aroma kommt diese Wucht im Mundraum an und wird über den ganzen Abend noch besser. Bordeauxesk nahezu, aber mit einem erdig-eigenen Stil. Sehr schön.

Übrigens: Mit Lisa Pfneisl gibt es im Oktober einen Meæt-the-Maker-Abend - Alles weitere und Anmeldung - HIER!

Gruppenbild der Begleitgetränke

Das Dessert huldigt ebenfalls der Aubergine. 

Oh du süße Eierfrucht

Dass Aubergine auch süß gehen kann habe ich vor Jahren in irgendeiner frühen Folge von Jamie Oliver gesehen. Der hat dort Ricotta mit Schokolade und getrockneten und kandierten Früchten gemischt, damit gedämpfte Auberginen gefüllt und das mit Schoko überzogen und behauptet, es wäre sizilianisch. Das wollte ich seitdem gesehen mal ausprobieren. Ideale Gelegenheit also. Ricotta wird ersetzt mit einem säuerlichen TofuQuark (überraschend gut!). Die Füllung mit den Schokostückchen hat was interessant stracciatella-artiges. In der Schokocreme ist ein Eimer Schüßchen Grappa.

Gekrönt wird das Ganze dann mit einem leichten KokosSchaum.

Und ... ja ... lecker! Mmmmh!

Eingetasste Dessert-Aubergine
Und mit dem traditionellen Nussschnaps geht es dann dem Ende zu.

Ein toller Abend mit tollen Leuten und wahrlich wertvollen menschlichen Neuentdeckungen. Hoffentlich kommt ihr bald wieder!

Der nächste VeganWednesday steht unter dem Motto "Krasse Kräuter" und ist am 21.09.2016 um 19:00 - NOCH gibt es ein paar freie Plätze!



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