Donnerstag, 7. Juli 2016

Retroschmecktive: Meæt the Maker mit Ralf Bonnet

Grade hatten wir den Auftakt unserer Reihe "Meæt the Maker" - und zusammen mit Ralf Bonnet vom Weingut Nägele haben wir uns quer durch das Sortiment des Hambacher Traditionsweinguts aus der Pfalz gesüffelt.

Wir bedanken uns bei allen Gästen, die diesem Erstevent seiner Art so wohlwollend beiwohnten und so stimmungszuträglich und überaus interessiert und gut gelaunt ihre Arbeit am Glas verrichtet haben - Dankeschön!

Die Idee des ganzen Abends war, zum einen einem Winzer mit tollen Weine eine Plattform zu geben und nebenbei lecker und entspannt mit dem Food-Paring, der Kombination von Getränk und Gericht zu spielen. Deshalb haben wir im Menü dann auch zu jedem Gericht zwei Weine gereicht um die Möglichkeit zu geben mal nach links und mal nach rechts zu schmecken und organoleptisch-olfaktorisch zu suchen welcher Wein welche Nuance des Gerichts unterstreicht und umgekehrt. Ein Aromen-Tingeltangel und Papillen-Ringelreihen.

Der Abend stand schon bei der Vorbereitung unter einem guten Stern. Oder besser: Unter einer guten Kartoffel. Oder noch besser, weil pfälzisch: Unner ra guude Grummbeer - denn bei den heidnischen Ritualen meines pfälzischen Heimatdorfes gilt es es Glückszeichen, wenn man eine herzförmige Kartoffel (Grummbeer) findet - und ein solche fand ich bei den Vorbereitungen und durch ihre Verarbeitung bei den Röstkartoffeln ging das Glück auch auf die Gäste über. Bitteschön.
(Anteile von künftigen Lottogewinnen können mir gerne zugeführt werden)

die Glicksgrummbeer, la pomme de terre du bonheur, the potatoe of luck

Wir starten mit einem Sektchen! Und zwar einem Rosé.


Dieser fruchtig-frische, pikante und überaus dynamische Vertreter seiner Zunft ist zu 100% aus Spätburgundertrauben. Die Farbe ist kein aufdringliches Pink sondern eher ein zarter Lachston mit edel kupfernen Reflexen. Das zarte Erdbeeraroma und die schön trockenen Kanten kennen sich seit Jahren und sind in alter Freundschaft verbunden. So sollte man eigentlich in viel mehr Abende starten. Oder generell in den Tag - denn diese Flasche lässt sich auch gut schon zum Frühstück öffnen.

Wir steigen ein in das Menü.

Ein kleines Wort zur nachfolgenden Nachschmeckung des Abends. Beim Fotografieren der Speisen dachte ich den ganzen Abend "Was nervt mich denn diese doofe Kamera mit diesem roten Geblinke da oben - muss ich mir später mal genauer anschauen". Das doofe Geblinke meiner Kamera habe ich mir dann genauer angeschaut und festgestellt, dass sie mir damit das Fehlen einer Speicherkarte signalisieren wollte. Da blinkt sie nur und sagt kein Wort. Nun ja ... ich muss also bei den Fotos auf ein paar Handybilder und ähnliches Archivmaterial zurückgreifen.

Erster Gang

Auf dem Teller haben wir einen Salat aus grünem und wildem Spargel mit Radieserln in einem leichten Balsamico-Dressing. Dazu ein Forellen-Lachs-Tatar mir Cornichons und Avocado und einem Klacks Dijon-Senf. Darauf ein WachtelEi und etwas Kaviar vom Saibling.

Abbildung ähnlich ... ähem ...
Die beiden Weine dazu:

Aufgrund von Gründen leider nicht persönlich anwesend.
Der Grauburgunder von Nägele. Ja. Der hätte zu diesem Klang ins Glas gesollt. Leider ging hier bei der Verpackungs- und Zustellungslogistik etwas schief. Denn der Wein war leider nicht bei der Weinlieferung dabei. Und das ist genau beim Ausschenken aufgefallen. Er hätte duftige Aromen von Birne und Melone gezeigt und grade zum SpargelSalat sehr gut gepasst. Seine Qualität wurde 2016 mit der silbernen Kammerpreismünze belohnt. Bei der nächsten Weinbestellung sollten sie sicherheitshalber davon ein Kistchen mitbestellen! Als Ersatz diente ein Grauburgunder aus dem Taubertal.
Anwesend: Sauvignon Blanc
Der Sauvignon Blanc. Einer der grünen Sorte: grasig, stachelbeerig (Stachelbeeren nennt man übrigens in meinem Pfälzer Heimatdialekt "Truschele" ... und meine Oma hat die immer statt Kirschen in ihre Donauwelle gepackt ... mmmmh ... aber das nur als kleiner privater Exkurs) mit Aromen von grünem Paprika. Rhababer scheint durch und es apfelt. Diese herbe Variante eines Obstsalates passt schön zum Forellentatar. Ein wirklich super frischer Sommerwein ist er obendrein.

Zweiter Gang

Chronos, so heißt in der griechischen Mythologie der Gott der Zeit, der sich selbst aus dem dunklen Chaos erschuf und dann unter lautem Gegackere das silberne Welten-Ei legte. Deshalb diente er, wie von mir selbst ausgedachte Altertumsforscher erst unlängst bei Ausgrabungen in ... äh ... Bottrop ... genau ... herausfanden auch als Schutzheiliger der Straußen und Emus. Aus diesem Ei schlüpfte dann der Lichtgott Phanes, auch Helios genannt.

Chronos heißt auch der Wein zum Hauptgang - und als Gott der Zeit ist die Zeit die wesentliche Zutat für den Hauptgang. Ein 22 Stunden lang gegartes Pulled Pork, eine Mischung aus Nacken und Bauch vom Thüringer Bio-Duroc-Schwein in einem Knoblauch-Orangen-Pfeffer-Apfel-Rauch-Senf-Rub, schön einmassiert. Dazu gibt es einen ColeSlaw, einen SpitzkohlSalat mit Pfälzer Äpfeln, Sauerrahm und Walnüssen, außerdem Röstkartoffeln aus dem Ofen und Magic Onions, urlange geschmorte Zwiebeln mit Sternanis.

Die Mutter aller ColeSlaws
Der Vater allen Fleisches
Die beiden Weine dazu:

CHRONOS
Chronos gegen das Feuer! Wir nehmen bei den Weinen den mythologisch gespielten Ball auf. Zwei Weine wie Perser gegen Spartaner - oder auch, wenn man sich jetzt metaphologisch extrem streckt, auch etwas wie ein Kampf der Generationen. Vater (Chronos/Zeit) gegen Sohn (Helios/Feuer). Zwei Lager: die Bordeaux-Fraktion gegen Burgunder-Verfechter. Episch!

In der einen Ecke: CHRONOS. Chronos heißt die große Rotwein-Cuvée von Nägele, eine Assemblage aus Merlot und Cabernet Sauvignon. 14% Alkohol. Kann Röstaroma, Tiefe und Länge. Unter den bisher errungenen Gürtel befinden sich unter anderem die Goldene Kammerpreismünze 2014 und AWC Vienna Gold 2013. Zu dem deutlichen Wacholder und den dunklen Beeren, darunter besonders greifbar Cassis und Brombeere, gesellt sich ein Anklang dunkler Schokolade und Kaffee. Eine Urgewalt.

FEUER
In der anderen Ecke: FEUR. Feuer heißt die Lage, in der dieser Spätburgunder wächst. Auch er hat volumige 14% Alkohol und nach 15 Monaten im Barrique einen schönen rechten Haken aus geschmeidigem Holz. Elegant, Subtil, florale Noten. In Sachen Frucht zeigt er Kirsche und rote Johannisbeere. Samtig mit trotzdem forscher Säure. Seine Röstaromen sind mit einem Hauch Vanilleflavour eingefangen. Auch er ist dekoriert mit der goldenen Kammerpreismünze.

Für mich zwei ebenbürtige Gegner, die beide wunderbar zu dem Gericht passen. Mit einem Schluck FEUER spürt man den Apfel aus dem Salat besser und die Richness (man verzeihe mir bitte den Anglizismus ... aber wenns doch eh um Pulled Pork geht ... mei ... :-)) des Pulled Pork wird etwas leichter. Der CHRONOS hingegen setzt sich zu dem Fleisch und bietet im in entspannter Freundschaft einen Cognac und eine Zigarre an. Ist es nicht schön, wenn sich alle so gut verstehen?

Dritter Gang

Zum Dessert gibt es ein Gläschen mit einer weißen Schokoladen-PannaCotta mit ein wenig Zimt verfeinert. Darauf ein BeerenSalat. Darauf ein prickeliger Erdbeer-Riesling-Schaum.

schönes Schäumsche 

Die beiden Weine dazu:

Der Riesling Spätlese - bringt mit fast 60 gr Restzucker ein ordentliches Paket an Süße mit. Diese äußert sich aber fast ausschließlich in einer wunderbar kräftigen Fruchtigkeit, besonders gelbes Obs, Mandarine und Aprikose kommen hier klar durch. Man hat nicht den Eindruck einen klassischen Süßwein zu trinken, da die Mineralität und das Spiel der Früchte ihn schön lebendig wirken lassen. Mit nur 10,5% Alkohol kann man dem ersten auch guten Gewissens noch ein paar weitere Gläschen folgen lassen. Von diesem Riesling ist ein guter Schuss im Erdbeerschaum. Passt also wunderbeerchen. Dieser Wein wäre aber auch ein toller Begleiter zu einem Käsegang, zur Leber oder zu scharfen asiatischen Gerichten.

Der Weißburgunder feinherb - der perfekte Schwiegersohn, könnte man sagen. Ein EverybodysDarling. Das klingt jetzt vielleicht fast ein bisserl langweilig - ist aber trotzdem die Beschreibung eines wirklich klasse Weins. Ein GehtImmerWein. Fruchtig. Balanciert. Keine zu starke Säure. Keine zu starke Süße. Ein idealer Essensbegleiter, der eigentlich zu allem geht. Mit 11,5% Alkohol auch recht leicht und ideal für den Sommer. Schön weich passt er beim Dessert besonders zur PannaCottaSchicht.

Zum Abschluss zauberte Ralf dann noch einen Schluck aus der Versuchsküche - nämlich die fast erreichte Endstufe seiner Bemühungen um einen Pfälzer Portwein. Und ... ich will den haben! Und freue mich sehr drauf, wenn der in die Flasche kommt.

Beim fröhlichen Flaschenleeren ging der Abend dann einem würdigen Ende entgegen.

Herzlichen Dank Ralf, für diesen überaus entspannten und schönen Abend - it will be continued!

Der nächste Meæt the Maker- Event:

28. Juli - 19:00 Uhr - Meæt the Maker mit Markus Meier



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